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Rekonstruktion alter Grenzpunkte

Ist ein definitiv anerkanntes Vermessungswerk mit Originalmessungen vorhanden, dann werden die Koordinaten der zu rekonstruierenden Punkte aus den Originalmessungen berechnet und im Feld - abgestützt auf Polygonpunkte oder bei deren Fehlen auf weitere, berechnete Nachbar-Grenzpunkte - abgesteckt.

Ist das Vermessungswerk provisorisch anerkannt und sind keine Originalmessungen dokumentiert (in seltenen Fällen können auch bei definitiv anerkannten Vermessungen verwendbare Originalmessungen fehlen), so werden die aus dem Originalplan digitalisierten und kontrollierten Grenzpunktkoordinaten direkt abgesteckt. Dabei ist der Nachbarschaftsgenauigkeit und der begrenzten Genauigkeit beim Planabgriff spezielle Beachtung zu schenken, insbesondere beim Wählen der Bezugspunkte für die lokale Einpassung. Je näher die Bezugspunkte zum fehlenden Grenzzeichen gewählt werden können, umso bessere Resultate sind mit der lokalen Einpassung zu erreichen.

Sind aus der Nachführung Messungen vorhanden, so sind diese bei der Rekonstruktion ebenfalls mit einzubeziehen.

Um die lokale Einpassung optimal beurteilen zu können, ist die Absteckung vorzugsweise mittels freier Stationierung oder GNSS-Einpassung vorzunehmen. Mit einer freien Stationierung oder Einpassung des GNSS-Messdurchganges in lokale Bezugspunkte (AV93-Fixpunkte oder Polygonpunkte, Grenzpunkte, allenfalls Gebäudepunkte) wird der Bezug zwischen Realität und Vermessungswerk hergestellt. Dabei ist der Beurteilung der Einpassung der Messergebnisse in die bestehende Vermessung besondere Beachtung zu schenken. Besteht eine Wahlmöglichkeit, eignet sich in aller Regel eine Helmerttransformation. Die Restklaffen der verwendeten Bezugspunkte beinhalten neben den Spannungen im bestehenden Vermessungswerk auch Digitalisier-, Mess- und Instrumentenfehler. Sie müssen kritisch in Grösse und Richtung (Vektoren) beurteilt werden und die definitive Wahl der zu verwendenden Transformationspasspunkte hat in Abhängigkeit der Resultate zu erfolgen. Als Richtwerte für die zulässigen Klaffen gelten die vom Planmassstab und der Planqualität abhängigen mittleren Fehler und maximalen Restfehler gemäss TVAV Art. 101 - 103. Die abgesteckten Grenzpunkte sind wie üblich durch geeignete Massnahmen (Kontrollaufnahme, Kontrollmasse, Zwangsbedingungen) auf ihre Zuverlässigkeit hin zu prüfen und die durchgeführten Kontrollen sind zu dokumentieren.

Lassen bauliche und natürliche Abgrenzungen im Feld die Lage der Eigentumsgrenze erkennen, können derart rekonstruierte Grenzzeichen im Bereich der Abgriffgenauigkeit und allenfalls in Rücksprache mit den betroffenen Grundeigentümern, an diese Abgrenzungen verschoben und damit sinnvoll platziert werden.

Werden bei den Feldarbeiten im Gelände alte vorhandene, einwandfrei gesetzte Grenzpunkte mit aufgenommen und stimmen deren Koordinaten bei der Auswertung innerhalb der Digitalisierungsgenauigkeit mit den digitalisierten Werten überein, so können die digitalisierten Koordinaten durch die neu berechneten Werte ersetzt werden. Die Qualitätsattribute der berechneten Koordinaten bleiben aber weiterhin bei "provisorische numerisiert".


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