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Grundsätze

Die Wahl des richtigen technischen Vorgehens bei der Nachführung von provisorisch numerisierten Vermessungswerken ist anspruchsvoll und muss durch erfahrene Berufsleute vorbereitet werden. Mit ungeeigneten Nachführungsmethoden können an sich brauchbare Vermessungswerke innert kürzester Zeit zerstört und die weitere Nachführung damit verunmöglicht werden.

Das Prinzip der Nachbarschaftsgenauigkeit hat erste Priorität (Artikel 107 TVAV); dies stellt die langfristige Nachführbarkeit der numerisierten Vermessung sicher und ermöglicht eventuelle spätere Entzerrungen des Vermessungswerkes.

Die ursprüngliche Qualität des Vermessungswerkes muss auch bei der Nachführungstätigkeit erhalten bleiben, falls möglich sogar verbessert werden.

Der Genauigkeitshierarchie der Bezugspunkte ist Rechnung zu tragen; die Messungen und Berechnungen sind in erster Priorität auf die Fixpunkte (LFP/HFP 1 bis 3, sofern AV93 konform, oder Polygonpunkte), in zweiter Priorität auf bestehende Grenzpunkte und erst in dritter Priorität auf Gebäudepunkte abzustützen. Es sind jeweils Punkte in unmittelbarer Nachbarschaft zu verwenden.
Die neu erhobenen Messungen oder die Absteckungen mit bestehenden Messungen sind immer in die lokalen Bezugspunkte einzupassen, auch bei Verwendung von permanenten GNSS-Referenzstationen (z.B. AGNES).

Die Wiederherstellung der Vermarkung von Grenzpunkten hat sich auf die Originalvermessung abzustützen (Artikel 106 TVAV).

Bei der Bearbeitung gelten die gleichen Genauigkeitsanforderungen, welche auch für das Originalvermessungswerk Gültigkeit haben. Eine Genauigkeitssteigerung oder inhaltliche Verbesserung des Vermessungswerkes wird nur dort angestrebt, wo es die zu lösende Aufgabe, ein entsprechender Vertrag zur sukzessiven Erneuerung oder die Kundennachfrage erfordert.

Das Hauptaugenmerk ist den Informationsebenen Fixpunkte und Liegenschaften zu schenken. Dort ist eine maximale Qualität in Bezug auf Nachbarschaftsbeziehung, Zuverlässigkeit und Genauigkeit anzustreben. Dies weil sich die Nachführung in den anderen Informationsebenen oft auf die Grenzpunkte abstützt und dabei meist weniger strenge Qualitätsanforderungen zu erfüllen sind.

Es sind einfache, nachvollziehbare Berechnungsmethoden anzuwenden, die vielfältigen Optionen der Berechnungsprogramme (z.B. 12-Parameter-Transformationen) sind kritisch zu hinterfragen. Sowohl die Messungen wie auch die Berechnungen sind analog der Nachführung in numerischen Vermessungswerken vollständig und sauber zu dokumentieren. Es empfiehlt sich, die Originalmessungen so zu archivieren, dass sie bei einer späteren definitiven Aufarbeitung der Vermessung auch in numerischer Form zur Verfügung stehen.

Um eine maximale Flexibilität zu haben, wird in der Regel mit freien Stationierungen oder lokalen Netzen gearbeitet. Dies erlaubt eine der örtlichen Situation angepasste Berechnungsart zu wählen (Einpassung) und eine aussagekräftige Beurteilung der Resultate abzuleiten.

In definitiv anerkannten Vermessungswerken mit dokumentierten Originalmessungen müssen die von einer Mutation betroffenen Grenzen vorgängig aufgrund der Originalmessungen berechnet werden (Artikel 108 TVAV). Für kleine Grundstücke empfiehlt sich die Berechnung aller Grenzpunkte des Grundstückes. Bei grossen Grundstücken ist dies nicht zwingend nötig; es kann auch nur der durch die Änderungen betroffene Bereich der Grundstücksgrenze berechnet werden.

Grundbuchflächen sind in der Regel dann zu ändern:

  • Wenn grobe Fehlern vorliegen und das Grundstück vollständig neu berechnet worden ist (Korrektur im Plan - oder im Flächenberichtigungsverfahren). Grobe Fehler müssen vermutet werden, wenn bei definitiv anerkannten Vermessungen die einfachen oder bei provisorisch anerkannten Vermessungen die doppelten Werte der Flächentoleranz entsprechend den "Fehlergrenzen der Schweizerischen Grundbuchvermessung für die Berechnung der Parzellen", V+D 1965 überschritten werden.
  • Wenn sich das Grundstück in der Landwirtschaftszone befindet und im Rahmen der Datenübernahme in GRUDA-AV die technischen Flächen der Numerisierung als Grundbuchflächen übernommen wurden.
  • Wenn bei Grenzmutationen eine Neuaufnahme oder Neuberechnung der Grundstücke erfolgt ist, z. B. bei Projektmutationen, bei grossen Parzellierungen im Baugebiet, bei Mutationen mit vorgegebenen Flächenbedingungen.

Ansonsten werden Grundbuchflächen erst bei einer Erneuerung oder Ersterhebung gesamthaft über ein ganzes Los berichtigt.


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