Suchbereich

Stichwörter von A bis Z

Navigation




Fachstelle «Velo» wird 30

Die Fachstelle Langsamverkehr – vormals «Velo» – feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen. Vieles konnte sie in dieser Zeit bewegen, etwa bezüglich Veloabstellplätzen: Früh wurde eine Erstellungspflicht im kantonalen Baugesetz verankert und der Kanton Bern zum Vorreiter. Trotz solcher Erfolge ist der Weg aber noch weit, betont die heutige Co-Leitung.

«Zuerst war es eine One-Man-Show», beginnt Oliver Dreyer, Co-Leiter der Fachstelle Langsamverkehr. Er bezieht sich dabei auf Oskar Balsiger: Der Velopionier, der ab 1973 beim kantonalen Planungsamt (RPA) arbeitete, setzte sich privat für den Veloverkehr ein. Bald eilte ihm sein Ruf voraus: Zu Beginn der 1980er-Jahre zog ihn der damalige Baudirektor Gotthelf Bürki bei mehreren Projekten zu Rate. Im Zuge der RPA-Verwaltungsrevision wurde dann beim kantonalen Tiefbauamt eine Fachstelle Velo geschaffen, mit deren Aufbau Balsiger 1987 begann. Über die Jahre kam die eine oder andere helfende Hand hinzu. Heute sind Tanja Trachsler und Oliver Dreyer (Co-Leitung) sowie Alfred Stettler (Signalisation Velowandern) das Gesicht der Fachstelle.

Zum 30-jährigen Jubiläum überreicht Kantonsoberingenieur Stefan Studer dem Fachstellen-Gründer Oskar Balsiger sowie dem heutigen Team eine eigens kreierte Torte. V. l. n. r.: Tanja Trachsler (Co-Leitung), Oskar Balsiger, Alfred Stettler (Signalisation Velowandern), Oliver Dreyer (Co-Leitung), Stefan Studer.

Bild vergrössern Zum 30-jährigen Jubiläum überreicht Kantonsoberingenieur Stefan Studer dem Fachstellen-Gründer Oskar Balsiger sowie dem heutigen Team eine eigens kreierte Torte. V. l. n. r.: Tanja Trachsler (Co-Leitung), Oskar Balsiger, Alfred Stettler (Signalisation Velowandern), Oliver Dreyer (Co-Leitung), Stefan Studer.

Breites Aufgabenspektrum

Besagtes Team berät heute die vier Oberingenieurkreise (OIK) bei baulichen Massnahmen zugunsten des Langsamverkehrs: «Bei Belagssanierungen etwa ist es zuweilen möglich, mit minimalem Zusatzaufwand Velo-Massnahmen zu realisieren», meint Trachsler. Ein weiterer Bereich ist die Signalisation der nationalen sowie regionalen Veloland-Routen, für die Stettler seit über 20 Jahren unterwegs ist. Daneben berät und unterstützt die Fachstelle Ingenieurbüros, Regionen oder Gemeinden in Velobelangen. Sie leistet zudem Grundlagenarbeit, verfolgt Innovationen aktiv mit und speist das neue Wissen in Strassenbauprojekte ein. Ausserdem steht sie den OIK beim Vollzug der Wanderweggesetzgebung und dem Erhalt historischer Verkehrswege zur Seite.

Die Fachstelle Langsamverkehr besorgt die Signalisation der Velo-Freizeitrouten – und mustert falls nötig alte Schilder aus.

Bild vergrössern Die Fachstelle Langsamverkehr besorgt die Signalisation der Velo-Freizeitrouten – und mustert falls nötig alte Schilder aus.

Vielfältige Errungenschaften

Doch was hat die Fachstelle mit ihrem Einsatz für das Velo, das heuer 200-jährig wird, bisher erreicht? «Die grösste Errungenschaft ist, dass unsere Anliegen bei Kantonsstrassenprojekten von Anfang an berücksichtigt werden», erzählt Dreyer. Sein Team könne heute früh mitdiskutieren, was effizienter sei. Denn früher hätten ihre Einwände in einer Spätphase der Projektierung oft zu kurzfristigen, teuren Änderungen geführt. Insgesamt sei ein gesteigertes Bewusstsein für Anliegen des Langsamverkehrs zu vermerken. «Höhepunkte waren ferner der Sachplan Veloverkehr, der die Veloalltags- und -freizeitrouten mit kantonaler Netzfunktion festlegt, sowie die Arbeitshilfe ‘Anlagen für den Veloverkehr‘ mit ihren Projektierungsgrundsätzen», ergänzt Trachsler. Sie stellen für die Tätigkeit der Fachstelle die zwei wichtigsten Papiere dar.

In Sachen Veloabstellplätzen – etwa bei Bahnhöfen – hat der Kanton Bern Vorbildcharakter.

Bild vergrössern In Sachen Veloabstellplätzen – etwa bei Bahnhöfen – hat der Kanton Bern Vorbildcharakter.

Die kontinuierliche Arbeit hat dazu geführt, dass das kantonalbernische Velonetz ausgebaut und verbessert wurde. So beträgt die heutige Standardbreite von Radstreifen 1,5 m (früher 1 m). Ausserdem konnte die Fachstelle um 1990 den Regierungsrat dazu bewegen, beim Bund in begründeten Fällen die Trottoir-Mitbenutzung durch Velos einzufordern. Weiter lieferte sie 1993 die Argumente, um im kantonalen Baugesetz eine Erstellungspflicht für Veloabstellflächen zu verankern – worin der Kanton Bern bis heute Vorbildcharakter hat. Daneben sind diverse Velowege etabliert worden resp. im Entstehen begriffen (z. B. Heimberg-Thun, Lützelflüh-Hasle, Wankdorf-Zollikofen). Ein Vorzeigeprojekt ist ferner der Velokorridor Langenthal-Huttwil: Zwischen den beiden Ortschaften existiert ein fast durchgehendes Angebot für Velofahrende abseits der Kantonsstrasse. So besteht eine Strecke für den geübten und eine für den sicherheitsbedürftigen Veloverkehr. Gezielte Doppelangebote zu schaffen, zählt zu den grossen Fachstellen-Zielen.

Der Velo-Bypass beim Hard-Kreisel in Langenthal kam in enger Zusammenarbeit mit der Fachstelle zustande.

Bild vergrössern Der Velo-Bypass beim Hard-Kreisel in Langenthal kam in enger Zusammenarbeit mit der Fachstelle zustande.

Weg in die Zukunft

Trotz aller Errungenschaften ist die Fachstelle noch nicht am Ziel: «Wir versuchen weiterhin, den Veloanteil am Verkehr zu erhöhen», betont Dreyer, «da ist viel Potenzial vorhanden.» Dabei stehen der Fachstelle aber Hürden bevor. Trachsler: «Die Platzverhältnisse auf den Strassen sind beschränkt. Aus diesen Gegebenheiten das Beste herauszuholen, ist und bleibt herausfordernd.» Hinzu kommt, dass nicht im ganzen Kanton mit der gleichen Elle gemessen werden kann. Denn städtische Räume haben andere Anforderungen als eine abgelegene Ortschaft im Emmental. Die Lösungen müssen deshalb verhältnismässig und auf den Ort abgestimmt sein – es gibt keine Patentlösung. Dabei die Balance zu halten, ist knifflig: «Wir sind nicht ein Verein wie ProVelo, der nur für seine Interessen einstehen kann, sondern ein kantonales Amt, das alle Anliegen unter einen Hut bringen muss», so Trachsler.

Der Weg ist noch lang: Das Fachstellen-Team will auch weiterhin mehr Leute auf den Sattel locken.

Bild vergrössern Der Weg ist noch lang: Das Fachstellen-Team will auch weiterhin mehr Leute auf den Sattel locken.

Technologie als Herausforderung

Auch die voranschreitende Technologie wirft neue Fragen auf – etwa das E-Bike. Dreyer: «Aufgrund der Zunahme von E-Bikes sollten die Verkehrsregeln und gesetzlichen Bestimmungen überprüft werden.» Denn E-Bikes müssen in der Schweiz einen signalisierten Radweg benutzen, was potenziell Konflikte mit anderen Nutzungsgruppen hervorruft und somit neue Anforderungen an die Planung stellt. Sie bieten gleichzeitig grosse Chancen für den Pendlerverkehr: Das Umsatteln kann zu Stosszeiten den ÖV entlasten und die Stausituation verbessern. Eine weitere Herausforderung ist die Veloförderung bei Kindern und Jugendlichen: Seit rund 15 Jahren ist hier ein Rückgang der Velonutzung zu vermerken. Das Fachstellen-Team sieht die Ursache beim verbesserten ÖV-Angebot – was die Nutzung von Smartphones auf dem Schulweg ermöglicht – sowie darin, dass sich die jüngere Generation bzw. deren Eltern trotz verbesserter Infrastruktur auf der Strasse nicht sicher fühlt. In Kombination mit den komplexen Projekten, die dem TBA bevorstehen (z. B. Umbau Autobahnanschluss Wankdorf, Westumfahrung von Biel, Umfahrung Aarwangen), wird deutlich: Der Fachstelle Langsamverkehr wird die Arbeit nicht so schnell ausgehen.


Weitere Informationen

 


Mein Warenkorb ([BASKETITEMCOUNT])

Informationen über diesen Webauftritt

https://www.bve.be.ch/bve/de/index/direktion/organisation/tba/TBA_update/TBA_Newsletter_September_2017/30_jahre_fachstelle_velo.html