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Zielorientiert: Tiefbauamt entfernt Neophyten

Wichtige Ziele der Grünpflege des Tiefbauamts sind die Verkehrssicherheit sowie wirtschaftliche und ökologische Aspekte. Eine zentrale Massnahme dazu ist die Neophytenbekämpfung. Das Tiefbauamt will bis 2028 invasive, gebietsfremde Pflanzen von seinen Grünflächen weitgehend verbannen.

 

An vielen Orten sind Grünflächen von sogenannten Problempflanzen und invasiven Neophyten befallen. Diese verdrängen die heimischen Pflanzen und reduzieren die Artenvielfalt. Das Tiefbauamt bekämpft diese Problempflanzen deshalb auf seinen Flächen bereits seit rund zehn Jahren, zumeist entlang von Strassen und Gewässern. Seit 2019 besteht dafür ein kantonsweites Konzept mit einem zielorientierten 10-Jahres-Plan. Damit leistet das Tiefbauamt einen Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie von Bund und Kanton. «Wir wollen die Artenvielfalt erhalten und fördern. Dazu arbeiten wir nach einheitlichen Grundsätzen gemäss unserer im Jahr 2018 erstellten Arbeitshilfe und bekämpfen auch Neophyten», erklärt Jörg Bürgin, TBA-Bereichsleiter Umwelt und Sicherheit.

Kein Gifteinsatz erlaubt – Tiefbauamt entfernt Neophyten von Hand.

Bild vergrössern Kein Gifteinsatz erlaubt – Tiefbauamt entfernt Neophyten von Hand.

Aufgaben der Grünpflege

«Für uns geht es bei der Grünpflege in erster Linie darum, die Sicherheit des Verkehrs zu gewährleisten. Pflanzen und Bäume, welche die Sicht versperren oder Hindernisse darstellen, müssen geschnitten werden. Dies gilt besonders in Kurven und bei Ausfahrten», erklärt Jörg Bürgin. Strassenböschungen müssen gemäht werden, weil sonst im Winter der Schnee auf die Strasse abzurutschen droht. Zudem wichtig: Die Freilegung der Einlaufschächte, damit das Wasser abfliessen kann. Daneben gilt es aber auch, mit der Grünpflege die Artenvielfalt zu fördern. Magere Standorte haben zudem einen wirtschaftlichen Vorteil. Denn selteneres Mähen erzeugt weniger Schnittgut, das entsorgt werden muss. Das wirksame Bekämpfen der Neophyten leistet schliesslich einen wesentlichen Beitrag daran, die Artenvielfalt zu erhöhen.

Merkmale von Neophyten

Neophyten sind aus dem Ausland stammende, sehr dominante Pflanzenarten, welche die einheimische Flora verdrängen und die Artenvielfalt gefährden. Ohne Neophytenbekämpfung macht ökologische Grünpflege keinen Sinn. Den Neophyten fehlen hier die Schädlinge und so vermehren sie sich ungehindert. Einige bewirken beim Menschen allergische Reaktionen oder sind fürs Vieh giftig. Als besonders problematisch gelten etwa: Japanischer Knöterich, Einjähriges Berufkraut, Ambrosia, Goldrute und Sommerflieder. Zudem entfernt das Tiefbauamt auch das Jakobs-Kreuzkraut: Die Problempflanze ist zwar kein Neophyt, aber giftig für Weidetiere.

Neophyten entfernen

2019 hat das Tiefbauamt in einem 10-Jahres-Plan das Ziel festgelegt, die Neophyten jährlich um 10 Prozent zu reduzieren und bis 2028 weitgehend zu eliminieren. Es bekämpft so 15 der rund 40 invasiven Arten, die in der Schweiz bekannt sind. Jährlich investiert man rund 500 000 Franken in die Bekämpfung. Die Kosten stellen zu 97 Prozent interne Leistungen dar. Zudem wendet man bei der Grünpflege, wo sinnvoll, weitere ökologische Massnahmen an, wie etwa: magere Standorte spät mähen, Grünschnitt entfernen und richtige Schneidtechnik mit entsprechenden Mähmaschinen. All dies erhöht die Artenvielfalt. Um das Wissen der speziellen Pflanzenarten zu integrieren, bildet das TBA intern Neophytenspezialisten aus.

Neophyten entfernen: Ausreissen oder ausgraben der Pflanzen mitsamt Wurzeln.

Bild vergrössern Neophyten entfernen: Ausreissen oder ausgraben der Pflanzen mitsamt Wurzeln.

Mit System vorgehen

Für die ökologische Grünpflege wurden in jedem Strasseninspektorat die potenzialreichen Grünflächen kartiert und deren optimale Pflege beschrieben. Wobei das Augenmerk auf der Erhöhung der Artenvielfalt liegt. Gebietsweise ist diese nur noch gering: Im Mittelland etwa sind 10 Prozent der Flächen entlang von Kantonsstrassen reich an Potenzial. Anders ist die Situation im Berggebiet und im hinteren Emmental, wo die Artenvielfalt höher ist und damit auch der Anteil wertvoller Lebensräume. Letztere fehlen bei intensiver Landwirtschaft fast gänzlich. Dabei wird eine Tatsache offensichtlich: Das Bekämpfen der Neophyten zeigt nur dann eine flächendeckende Wirkung, wenn sowohl öffentliche wie auch private Grundeigentümer am gleichen Strick ziehen. Wichtig: ausgerissenes Neophytenmaterial separat entsorgen und nicht mit dem übrigen Grüngut vermischen! Nur so kann erneutes Ausbreiten weitgehend unterbrochen werden.

Im Mittelstreifen auf der A1: Schmalblättriges Greiskraut (gelb) und Götterbaum (im Hintergrund).

Bild vergrössern Im Mittelstreifen auf der A1: Schmalblättriges Greiskraut (gelb) und Götterbaum (im Hintergrund).

Auch das Drüsige Springkraut ist ein gebietsfremder Neophyt.

Bild vergrössern Auch das Drüsige Springkraut ist ein gebietsfremder Neophyt.

Entlang von Strassen

Mit der Neophytenbekämpfung hat man im Nationalstrassenunterhalt des Kantons Bern bereits vor rund sechs Jahren angefangen. Davor lag der Fokus auf invasiven Insekten. Deren Verbreitung hat man heute besser im Griff. Insgesamt entsorgte der Unterhaltsdienst Nationalstrassen im Jahr 2019 zirka 550 Tonnen Grünabfälle – ungefähr 80 Tonnen davon war Neophyten-Material. Im Durchschnitt beträgt der Arbeitsaufwand pro Jahr und vier Strassenkilometer ungefähr eine Stunde.
Die Resultate sind überzeugend: Das Vorkommen etwa des Schmalblättrigen Greiskrauts auf den Mittelstreifen konnte bereits deutlich reduziert werden. Je nachdem tragen die Leute sogar Schutzkleider, zum Beispiel um den bis vier Meter hohen giftigen Riesenbärenklau auszugraben. Auch entlang von Kantonsstrassen bekämpft man die Neophyten zumeist mit Hacke, Pickel und Schaufel – geschult und sensibilisiert. Nach Einschätzung der Verantwortlichen wird das gesteckte Jahresziel aller Voraussicht nach erreicht werden können.

Sorgenkind: Japanischer Knöterich – hier entlang der Aare.

Bild vergrössern Sorgenkind: Japanischer Knöterich – hier entlang der Aare.

Der Japanische Knöterich wurde 1823 als Zier- und Futterpflanze aus Ostasien nach Europa eingeführt.

Bild vergrössern Der Japanische Knöterich wurde 1823 als Zier- und Futterpflanze aus Ostasien nach Europa eingeführt.

Am Gewässer

Das Tiefbauamt ist entlang der Aare seit 2015 wasserbaupflichtig. Das heisst, es ist zuständig für den Gewässerunterhalt, inklusive Neophytenbekämpfung. Diese Kosten tragen sowohl die Gemeinden als auch der Kanton – er übernimmt einen Drittel. Man arbeitet hier mit Forstbetrieben, Schwellenkorporationen und Gemeinden zusammen. Beim Entfernen der Neophyten helfen auch Freiwillige, Asylanten und Zivildienstleistende. Chemische Mittel sind auch hier nicht erlaubt. So gilt es zu mähen, auszureissen und auszugraben. Von der Aareschlucht in Meiringen bis zur Halenbrücke in Bern wurden dafür im Jahr 2019 über 1000 Stunden aufgewendet. Dabei entsorgte man rund 10 Tonnen Neophyten-Material.

Das Tiefbauamt rückt dem Japanischen Knöterich neu mit Dampf zu Leibe.

Bild vergrössern Das Tiefbauamt rückt dem Japanischen Knöterich neu mit Dampf zu Leibe.

Verschiedentlich stellt man einen Rückgang fest. Doch es entstehen stets wieder neue Herde. Gründe dafür sind Nachbarparzellen oder Nebengewässer, die Neophyten wieder einschleusen – auch Personen, die am Gewässer ihr Grüngut entsorgen. Das grösste Sorgenkind ist auch am Wasser der Japanische Knöterich. Die Pflanze ist mit bis zu vier Meter langen Wurzeln extrem aufwändig zu bekämpfen. Zudem führt sie zu Böschungserosionen und zerstört Schutzbauwerke. Jörg Bürgin konstatiert: «Neophyten können nur eliminiert werden, wenn man sie systematisch, vereint und hundertprozentig ausreisst oder ausgräbt.» So nimmt das Tiefbauamt eine Vorreiterrolle wahr – mit der Absicht, dass alle anderen Grundeigentümer es auch bald tun werden. (vgl. Rubrik «Im Gespräch»)


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