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Wenn sich Berge immer höher türmen – Littering

Littering bezeichnet die verbreitete und illegale Unsitte, Abfälle im öffentlichen Raum wegzuwerfen oder liegenzulassen. Entlang von Kantons- und Nationalstrassen – vor allem bei Ein- und Ausfahrten – fallen besonders viele achtlos weggeworfene Abfälle an, die von den Unterhaltsequipen des Tiefbauamtes entsorgt werden müssen. Die schlechte Angewohnheit von einigen Menschen kostet viel Geld und senkt die Lebensqualität von allen, denn es schadet der Umwelt und den Tieren.

 

Die Schweiz gilt als sehr sauberes Land. Wenn es mit dem zunehmenden Littering so weitergeht, könnte dieser Wert jedoch ins Wanken geraten. Littering ist ein aus dem Englischen abgeleiteter Ausdruck. Damit bezeichnet man alle Abfälle auf öffentlichem Grund, die nicht in den dafür vorgesehenen Abfalleimern oder Sammelstellen landen, sondern achtlos weggeworfen werden oder liegenbleiben. Da Kehricht generell eine wiederkehrende Angelegenheit ist, sind die Unterhaltsequipen des Tiefbauamts täglich unterwegs, um Strassenabfall wegzuräumen und zu entsorgen. Pro Nationalstrassenkilometer wurde gemäss Bundesamt für Strassen ASTRA im Durchschnitt eine Tonne Littering-Abfall entsorgt. Im Strasseninspektorat Seeland fallen pro Jahr acht bis neun Tonnen Strassenkehricht an (vgl. Rubrik «Im Gespräch»).

Littering ist nirgendwo «O.K.»! Trotzdem ist die Unsitte auch entlang von Kantons- und Nationalstrassen zunehmend.

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Auch für Bruno Kropf, Bereichsleiter in der Abteilung Nationalstrassen Betrieb, ist das Einsammeln von Strassenabfall ein Dauerthema: «In den Ferienzeiten rücken wir dazu sogar zweimal täglich aus.» Seine Devise lautet: «Wenn es sauber ist, liegt die Hemmschwelle höher, etwas einfach wegzuwerfen.» Zurzeit machen Bruno Kropf und seine Unterhaltsequipen den Versuch, das PET auf den Rastplätzen vom normalen Abfall zu trennen. Doch es sei schwierig, da sich viele, trotz Aufschrift, nicht an die fachgerechte Trennung halten. Man müsse das Material also wieder voneinander nehmen und sortieren.

Keine direkte Gefahr

Littering-Abfälle sind zumeist leichten Gewichts, daher sind sie nicht direkt sicherheitsgefährdend für Verkehrsteilnehmende. Anders für jene, die den Abfall wieder einsammeln müssen: «Das Littering-Gut liegt manchmal an Stellen, die schwierig zu erreichen sind. Das ist nicht nur mühsam, sondern oft auch gefährlich», sagt Kropf. Auch schon vorgekommen: Verstopfen des Abflussschachts oder der Entwässerungsrinne. «Es ist für mich grundsätzlich nicht nachvollziehbar, dass das Thema Littering überhaupt besteht. Es kostet doch nichts, den eigenen Abfall fachgerecht zu entsorgen.» Dabei sind es erfahrungsgemäss vereinzelte Personen, die den immensen Schaden anrichten. Würde nämlich jeder Fahrzeuglenker littern, würden «unsere» Berge schon entlang der Strasse in schwindelerregende Höhen wachsen. Dass die Littering-Berge bereits heute hoch sind, zeigt die Statistik: In der Schweiz fallen gemäss Bundesamt für Umwelt pro Jahr 840 Millionen Abfallstücke an, das sind mehr als hundert pro Person. Dazu kommen nochmals mindestens so viele Zigarettenstummel. Insgesamt verursacht das Reinigen von Littering-Abfall jährliche Kosten von über 200 Millionen Franken, 75 Prozent davon im öffentlichen Raum (Strassen, Plätze etc.) und 25 Prozent in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Planen den Einsatz in der Abteilung Nationalstrassen Betrieb: Bruno Kropf, Bereichsleiter, und Urs Graf, Leiter Betrieb Spiez (sitzend).

Bild vergrössern Planen den Einsatz in der Abteilung Nationalstrassen Betrieb: Bruno Kropf, Bereichsleiter, und Urs Graf, Leiter Betrieb Spiez (sitzend).

Mit weitreichenden Konsequenzen

Stark betroffen von Littering auf Strassen ist auch die Landwirtschaft. Denn Teile von Aludosen und PET, die im Gras liegen bleiben oder siliert werden, können schwerwiegende Folgen für die grasfressenden Tiere haben – und auch die Maschinen, die das Land bearbeiten, nehmen Schaden.

Die Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität sorgt also für weitreichenden Kollateralschaden. Dazu Bruno Kropf: «Die Kehricht-Beseitigung ist sehr ressourcenintensiv und die Mitarbeitenden befinden sich entlang der Nationalstrasse im unmittelbaren Gefahrenbereich. Die relativ häufig weggeworfenen Essensreste locken zudem Hauskatzen und wilde Tiere wie Füchse, Marder und Vögel an. Das wiederum ist gefährlich für Tiere und Fahrzeuglenker.» So gesehen besteht damit auch ein Zusammenhang mit der Anzahl von überfahrenen Tieren, insbesondere von Greifvögeln, die durch den vorhandenen Wildschutzzaun nicht von der Strasse weggehalten werden können.

Einfälle gegen Abfälle

Gegen Littering bewegen sich viele: Seit November 2017 gibt es als Beispiel die «Littering-Toolbox». Daraus erwähnenswert: das «No-Littering-Label», lanciert von der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt IGSU. Das Label wird Schweizer Gemeinden, Städten und Schulen vergeben, die sich aktiv gegen Littering engagieren.

Ein Teil der Ausbeute vom Clean-Up-Day 2018 in einer Schweizer Schule. (Bild: IGSU)

Bild vergrössern Ein Teil der Ausbeute vom Clean-Up-Day 2018 in einer Schweizer Schule. (Bild: IGSU)

Zudem findet bereits zum siebten Mal schweizweit der Clean-Up-Day statt – am Freitag, 13. und am Samstag, 14. September 2019. Dann werden vereint wiederum mehrere Tonnen Abfälle und Wertstoffe* eingesammelt und korrekt entsorgt bzw. rezykliert. Dieser Aufräumtag hat sich seit seiner Lancierung zu einem Selbstläufer entwickelt. Im vergangenen Jahr wurden schweizweit 530 Aktionen von Schulen, Gemeinden, Vereinen und Firmen durchgeführt. Solche «Bottom-up»-Aktionen sind sehr effizient. Das liegt auch auf oder besser «in» der Hand: Schliesslich hebt man jede Form von Abfall von unten her nach oben auf.

*Als Wertstoffe gelten Stoffe, die mit kostbaren Ressourcen unserer Erde hergestellt und nach Gebrauch rezyklierbar sind – z. Bsp. Alu (Tonerde), PET (Erdöl), Glas, Papier etc.

In der Littering-Problematik wünscht man sich einen massiven Richtungswechsel. (Bilder: Nationalstrassen Betrieb)

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