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Mehr Raum für die Aare bei Wichtrach

Der Hochwasserschutz an der Aare zwischen Thun und Bern ist in ein kantonales Gesamtkonzept eingebettet. Unter diesem laufen rund 20 eigenständige, gegenseitig abgestimmte Wasserbauprojekte, die es ermöglichen, die gesetzten Ziele optimal zu erreichen. So auch in den Gemeinden Wichtrach, Gerzensee und Münsingen von Thalgut bis Chesselau, wo die Aare ab 2021 mehr Raum erhalten soll.

 

Der Kanton Bern will den Zustand der Aare zwischen Thun und Bern für Mensch und Umwelt abschnittsweise verbessern. In Zusammenarbeit mit den Gemeinden erarbeitet er dazu Einzelprojekte, die sich an einem Gesamtkonzept orientieren. Damit verfolgt man die Ziele: vor Hochwasser zu schützen, Trinkwasserreserve zu sichern, Naturlandschaft aufzuwerten und Naherholungsgebiete zu erhalten.

Das heutige Bild der Aare zeigt zumeist noch den von Menschenhand begradigten Fluss.

Bild vergrössern Das heutige Bild der Aare zeigt zumeist noch den von Menschenhand begradigten Fluss.

Die Aare – wie viele fliessende Gewässer in der Schweiz – wurde zum Teil schon vor über 100 Jahren durch Verbauungen weitgehend ihres natürlichen Flussverlaufs beraubt und begradigt. Aufgrund von Erfahrungen, die man auch in Extremsituationen wie etwa während den flutartigen Hochwassern 1999 und 2005 machte, soll die Aare nun wieder mehr Raum zurückerhalten. «Nach der Realisation unserer Planung wird sich die Aare zwischen Thalgut und Chesselau auf einer Breite von bis zu 130 Metern entfalten dürfen», sagt Jürg Stückelberger, Projektleiter Wasserbau. Heute fliesst sie auf zirka 50 Metern Breite.

Der Mehrwert

Der heutige Uferschutz im Abschnitt Thalgut bis Chesselau – auf rund drei Kilometern – ist grösstenteils zerstört. Dieser wird zurückgebaut und ein neuer Hochwasserschutz wird weiter hinten, weit von der heutigen Uferlinie entfernt, neu errichtet. Die Aare kann sich frei ihren eigenen Raum gestalten. Dadurch wird die Naturlandschaft aufgewertet und die Trinkwasserreserve gesichert. Gleichzeitig wird der Hochwasserschutz verbessert, so dass ein Hochwasser weder Infrastruktur noch Siedlungen gefährdet.

Die Ufer werden nach dem Rückbau der natürlichen Erosion und Gestaltungskraft der Aare überlassen. Der Zugang zum Wasser wird erleichtert und es entstehen viele gemütliche Plätze zum Spielen und Entspannen.

Bild vergrössern Die Ufer werden nach dem Rückbau der natürlichen Erosion und Gestaltungskraft der Aare überlassen. Der Zugang zum Wasser wird erleichtert und es entstehen viele gemütliche Plätze zum Spielen und Entspannen.

Die heute kanalisierte Aare erhält also mehr Raum, um sich bis auf 130 Metern Breite dynamisch auszudehnen. «Wir rechnen damit, dass sie das zumeist auf einer Breite von 60 bis 80 Metern ausschöpfen wird», erklärt Stückelberger. An einer Stelle wird das Ufer erodiert, an einer anderen lagert die Aare Geschiebematerial ab. So entstehen sich verändernde Kiesbänke, auf denen sich eine natürliche Auenvegetation entwickeln kann. Diese Dynamik ist auch ein enormer Gewinn für viele Tierarten im Wasser und in dem vom Wasser beeinflussten Uferbereich. «Mit der Aufweitung wird zudem verhindert, dass sich die Aare weiter in ihr eigenes Flussbett einfrisst und sich so der Grundwasserspiegel absenkt. Damit kann das Grundwasser im Aaretal, eine äusserst bedeutende Trinkwasserquelle für die ganze Region Bern, langfristig gesichert werden», bringt Stückelberger einen zusätzlichen positiven Nebeneffekt auf den Punkt. Die natürlich sanft verzahnte Landschaft von Wasser, Kiesbänken und Land entwickelt sich auch für Erholungssuchende zu einem attraktiven Naherholungsgebiet.

Die Massnahmen

Damit die Aare den Raum wieder freier gestalten kann, müssen zuvor Infrastrukturen verlegt werden. Zurzeit befindet sich die Trinkwasserleitung zwischen Kiesen und Bern mit einer Kapazität von 60 000 Litern pro Minute entlang des Aareufers und versorgt 130 000 Personen. «Diese Leitung wird 200 Meter östlich an den Rand der Autobahn verlegt werden müssen. Zudem gilt es, entlang der neu verlegten Trinkwasserleitung einen neuen Damm zu erstellen, der vor allem die Autobahn und den Siedlungsraum vor Hochwasser schützen wird. Zwischen dem Damm und der Aare kann sich danach unter dem Einfluss von Hoch- und Niederwasser langfristig ein Auenwald entwickeln», erläutert Stückelberger.

Blick auf die heutige Aare im Raum Wichtrach

Bild vergrössern Blick auf die heutige Aare im Raum Wichtrach

Die Herausforderungen

Das Projekt wird breit unterstützt. Dennoch gibt es auf Ebene Naherholung Änderungen, die von den einen als positiv und von den anderen als negativ bewertet werden. Die heutige Aare hat einen breiten und befahrbaren Uferweg. Jürg Stückelberger: «Zukünftig würde dieser Uferweg um zirka 90 Meter in Richtung Autobahn verlegt werden müssen.» Die dadurch erhöhte Lärmbelastung lässt sich nicht wegdiskutieren. Gemäss Stückelberger zeigen jedoch Erfahrungen aus anderen Wasserbauprojekten mit Aufweitungen: «Entlang des Ufers ergeben sich danach stets natürliche Trampelpfade, die von den meisten Fussgängern als attraktiver wahrgenommen werden, da sie wilder, lebendiger und abwechslungsreicher sind als schnurgerade, breite Unterhaltswege.» Mit Vertreterinnen und Vertretern der Fussgänger-Interessen steht der Kanton daher in engem Kontakt und sucht Kompromisse und flankierende Massnahmen.

Meilensteine

Thalgut - Chesselau  
2020 Plan- und Kreditgenehmigung
2021 bis 2024 Etappe 1
Ab 2024 bis 2027 Etappe 2

Weitere Informationen

 


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