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«We me zämeschaffet, geits ringer»

Viele Erwerbstätige aus den Gemeinden Fraubrunnen und Jegenstorf pendeln täglich zur Arbeit in die Stadt und zurück. Trotz guten Zugs- und Strassenverbindungen wird dafür zunehmend auch das Velo benützt. Jürg Häberli, Gemeinderatspräsident von Jegenstorf, und Felix Ceccato, Gemeinderat von Fraubrunnen, begründen im Interview, warum die geplante Alltagsveloroute zwischen Jegenstorf und Bätterkinden für ihre Gemeinden wichtig ist.

 

Herr Häberli, Herr Ceccato, Jegenstorf und Fraubrunnen waren früher Bauerndörfer. Jetzt gehören sie zur Agglomeration Bern. Was hat sich verändert?

Jürg Häberli: Jegenstorf hat immer noch dörflichen Charakter mit viel Gewerbe, funktionierendem Vereinsleben und persönlichen Begegnungen. Wir haben aber in den letzten Jahrzehnten viele junge, eher städtisch geprägte Zuzüger erhalten, natürlich auch dank den fantastischen Zugsverbindungen (6 bis 8 Zügen pro Stunde). Dass dies Auswirkungen auf das «Gemeindeleben» hat, zeigt sich etwa am Abstimmungsverhalten, das sich immer mehr der Stadt annähert.

Felix Ceccato: Wir in Fraubrunnen verstehen uns ganz klar als ländliche Gemeinde und wollen das auch bleiben. Aber wir möchten in jeder Hinsicht den Anschluss nicht verpassen – unseren Einsatz für eine gute Veloverbindung sehe ich als Teil dieses Anliegens.

 

Spürt man – wie in der Stadt Bern – einen Velo-Boom?»

Felix Ceccato: Ich stelle fest, dass es auf unseren Strassen und Wegen sehr viele Velofahrende hat, allerdings eher Freizeitradler. Aber es gibt auch in Fraubrunnen velofahrende Arbeitspendler. Mit einem E-Bike ist man in etwas mehr als einer halben Stunde in Bern.

Jürg Häberli: Es wäre übertrieben, in Jegenstorf von einem richtigen Velo-Boom zu sprechen. Aber auch in unserer Gemeinde sind immer mehr Velos unterwegs, auffallend viele E-Bikes.

Jürg Häberli, Gemeinderatspräsident Jegenstorf (links) und Felix Ceccato, Gemeinderat Fraubrunnen, sind zuversichtlich, dass die Stimmberechtigten die Kredite für die neue Alltagsveloroute gutheissen werden.

Bild vergrössern Jürg Häberli, Gemeinderatspräsident Jegenstorf (links) und Felix Ceccato, Gemeinderat Fraubrunnen, sind zuversichtlich, dass die Stimmberechtigten die Kredite für die neue Alltagsveloroute gutheissen werden.

Das Projekt Alltagsveloroute sieht zwischen Jegenstorf und Bätterkinden eine neue direkte Veloverbindung vor. Diese soll – dort, wo möglich – entlang des RBS-Trassees führen und die Baupiste nutzen, die der RBS für den Doppelspurausbau ohnehin wird bauen müssen. Welche Bedeutung hat eine gute Veloverbindung in Richtung Bern für Ihre Gemeinde?

Felix Ceccato: Ich sehe deren Bedeutung eher aus einer regionalen Optik. Allein hätte Fraubrunnen kein solches Projekt initiiert. Aber jetzt, wo sich eine solche Chance bietet, wäre es fatal, diese nicht zu packen. Der Kanton hat die Route in den Sachplan Velo aufgenommen, es gibt Bundes- und Kantonsgelder dafür. Das zeigt: Diese Verbindung ist über die Region hinaus wichtig.

 

Herr Häberli, für Jegenstorfs Arbeitspendler, die vorwiegend gegen Bern orientiert sind, geht die Alltagsveloroute in die falsche Richtung.

Jürg Häberli: Ja, das ist leider so. Dennoch sind auch wir in Jegenstorf an guten und sicheren Veloverbindungen interessiert. Wenn sich nun eine solche Chance bietet, wollen wir nicht zurückstehen – einerseits aus Solidarität zu unseren Nachbargemeinden, andererseits, weil auch unsere velofahrenden Bürgerinnen und Bürger vom neuen Angebot werden profitieren können, zum Beispiel in der Freizeit und am Wochenende.

 

Worauf kommt es an, dass eine solche Veloverbindung dann auch benutzt wird, wenn sie da ist?

Felix Ceccato: Die Veloroute muss optimal auf die Bedürfnisse der Velofahrenden ausgerichtet sein. Sie muss sicherer sein, darf aber keinen grossen Umweg bedeuten. Sonst bleibt die Kantonsstrasse attraktiver. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass eine separate Route nicht nur den Velofahrenden nützt. Sie ist ein Mehrwert für das Verkehrssystem als Ganzes, denn die neue Verbindung wird die Hauptstrasse entlasten und dank Veloumsteigern hoffentlich auch den ÖV.

 

Der Kanton nennt das Projekt einen «Glücksfall», weil es den Gemeinden die Chance bietet, im Kielwasser des RBS-Doppelspurausbaus eine effiziente Veloverbindung zu schaffen. Sehen Sie das auch so?

Felix Ceccato: Unbedingt. Das erste von der Regionalkonferenz vorgeschlagene Projekt erwies sich als zu teuer. Dann haben sich Fraubrunnen, Jegenstorf und Bätterkinden nochmals zusammengerauft und auf eigene Faust ein redimensioniertes Projekt entworfen. Kanton und RBS haben unser pragmatisches Vorgehen honoriert, indem sie unseren Vorschlag unterstützt und in das RBS-Projekt integriert haben. Davon profitieren alle, nicht zuletzt auch die Steuerzahlenden. So gesehen betrachte ich das Projekt der Alltagsveloroute als eine neue Form der Projektentwicklung. Sie zeigt: We me zämeschaffet, geits ringer!

 

Über das Schicksal der Alltagsveloroute werden letztlich die Stimmberechtigten in Ihren Gemeinden entscheiden. Sie müssen die jeweiligen Bruttokredite gutheissen. Eine Formsache?

Jürg Häberli: Es würde mich wundern, wenn Jegenstorfs Stimmberechtigte sich im kommenden November gegen den Kredit aussprechen würden. Ich spüre ein velofreundliches Klima. Aber sicher wird die Frage kommen, warum Jegenstorf für etwas Geld ausgibt, von dem vor allem Nachbargemeinden profitieren.

Felix Ceccato: Ich bin optimistisch, dass der Kredit in Fraubrunnen durchkommt. Bisher hörte ich noch keine kritischen Stimmen. Allerdings haben wir das Vorhaben auch noch nicht gross kommuniziert.

 

Herr Häberli, Herr Ceccato, wie werden Sie persönlich die Alltagsveloroute zwischen Jegenstorf und Bätterkinden benutzen, wenn sie einmal gebaut ist?

Jürg Häberli: Sicher werde ich die Veloroute benutzen, zum Beispiel wenn ich samstags auf den Markt in Solothurn einkaufen gehe oder ins Schwimmbad in Fraubrunnen radeln werde.

Felix Ceccato: Ich selber werde wohl für den Arbeitsweg nach Bern nicht aufs Velo umsteigen, aber in der Freizeit den neuen Weg benutzen. Meine Frau hingegen freut sich darauf, künftig ihr Tageskind in Schalunen mit dem Velo abholen und zurückbringen zu können.


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