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Wie das TBA mit dem Klimawandel umgeht

Das Klima verändert sich: Gemäss den Klimaszenarien 2018 für die Schweiz erwarten uns in Zukunft mehr Hitzetage und trockene Sommer, dennoch heftigere Niederschläge und schneeärmere, regenintensivere Winter. Durch den Temperaturanstieg werden extreme Naturgefahrenereignisse zunehmen. Der Klimawandel fordert das Tiefbauamt des Kantons Bern in vielfältiger Weise heraus.

 

Wie auch immer der Klimawandel heute diskutiert wird, in einem Punkt ist man sich weitgehend einig: Extremereignisse wie Hochwasser, Murgänge, Stürme oder Hitzesommer werden absehbar häufiger eintreffen und gravierendere Folgen haben als bisher. Im Kanton Bern ist davon erfahrungsgemäss das Berner Oberland am meisten tangiert. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass sich der dortige Kreisoberingenieur Markus Wyss am intensivsten mit den Herausforderungen des sich verändernden Klimas befasst. Als Mitglied der Nationalen Plattform Naturgefahren PLANAT kennt Wyss die weitreichenden Zusammenhänge und die unmittelbaren Einflüsse des Klimas auf die Arbeiten beim Tiefbauamt.

Das Hochwasser der Lütschine von 2011.

Bild vergrössern Das Hochwasser der Lütschine von 2011.

Der extreme Hitzesommer von 2003 ist wohl nur noch wenigen in lebhafter Erinnerung. Auch die Jahrhundert-Hochwasserereignisse und nur zwei Jahre danach die gewaltigen Murgänge im Oberland geraten immer mehr in Vergessenheit. So auch die heftigen Regenfälle und Hochwasser im 2011 und im 2014. Unser Gedächtnis ist kurzfristig. Wir erinnern uns heute womöglich noch an das Sturmtief Burglind im Januar 2018 und den extremen Hitzesommer im gleichen Jahr. Die Ausbrüche des Faverge-Gletschersees auf der Plaine Morte und die in der Lenk entstandenen Überschwemmungen im 2017/18 sind das bisher letzte Glied in einer bereits 40 Jahre anhaltenden Abfolge von heftigen Naturgefahrenereignissen. Diese Kette wird aufgrund des globalen Temperaturanstiegs nicht abreissen. In allen Jahreszeiten werden künftig extreme Wetterlagen und ausserordentliche Naturgefahrenereignisse häufiger auftreten. Dazu Markus Wyss: «Wir wollen uns im Tiefbauamt so gut als möglich auf die Veränderungen vorbereiten. Zusammen mit Hochschulen und spezialisierten Firmen haben wir beispielsweise die Auswirkungen des Gletscherschwunds und des Anstiegs der Permafrostgrenze im Berner Oberland untersucht.» Dank dieser Studie kennt man die Orte, für die es künftig kritisch werden könnte in Bezug auf Murgänge, Steinschlag oder Felssturz. «Zum Glück sollten keine Ortschaften direkt betroffen sein», hält er fest.

Massive Regenfälle und Sturm im Jahr 2011 im Neuhaus in Unterseen am Thunersee.

Bild vergrössern Massive Regenfälle und Sturm im Jahr 2011 im Neuhaus in Unterseen am Thunersee.

Mehr Gefahr – mehr Schutz

Als Konsequenz von vermehrten und starken Naturgefahrenereignissen ist häufiger mit unterbrochenen Verkehrsinfrastrukturen in Folge von Sturm, Hochwasser und Geschiebetransport zu rechnen. «Das wird immer wieder unsere Mobilität beeinträchtigen und verkompliziert die Planung der Verkehrswege und ihrer Schutzbauten. So müssen Brücken und Durchlässe häufig vergrössert werden, damit künftige Hochwasser schadlos abfliessen können», konstatiert Markus Wyss. Der Unterhalt der Strassen und Gewässer wird wegen der stärkeren Beanspruchung deutlich aufwändiger. Ebenfalls zunehmen wird das Bedürfnis der Bevölkerung nach Schutz der Siedlungsräume vor Naturgefahren. Trotz einer Raumplanung, in der Gefahrengebiete gemieden werden, und trotz Vorwarn- und Notfallplanungen. Daher ist Markus Wyss überzeugt: «Das erfordert langfristig nicht nur ausreichend finanzielle Mittel, sondern auch erheblich mehr Planungsarbeit.» Denn es können neue Gefahrengebiete entstehen oder bestehende grösser werden. Das wird sich in den Gefahrenkarten niederschlagen – sie bilden die Grundlage für das Risikomanagement und die Ortsplanung der Gemeinden.

Schutz auch für die Mitarbeitenden

Für das Tiefbauamt ist der Schutz seiner Mitarbeitenden vor Gefahren zentral. Da sich die meisten Ereignisse vorher ankünden, seien die Mitarbeitenden nicht unmittelbar gefährdet, weiss Markus Wyss. Um Gefahren frühzeitig erkennen zu können, stehen etwa regionale Wetterprognosen, Abflussprognosen und Lawinenbulletins zur Verfügung. Tritt ein Ereignis ein, kommen die Notfallplanungen zum Tragen. In erster Linie sind hier die Führungsorgane der Gemeinden gefordert. Sie sind verantwortlich, ausserordentliche Lagen auf ihrem Gebiet zu meistern. Dazu bildet der Kanton seit einigen Jahren lokale Naturgefahrenberater aus. Bei gefährlichen Entwicklungen unterstützen sie das jeweilige Gemeindeführungsorgan. Der Geschäftsleitung des Tiefbauamts ist es ein Anliegen, dass Mitarbeitende – vor allem das Strassenunterhaltspersonal – in den stets heisser werdenden Sommern gesund bleiben. «Daher wird beispielsweise wie bei den Bauunternehmen über veränderte Arbeitszeiten sowie persönliche Ausrüstung und Bekleidung diskutiert werden müssen», sagt Markus Wyss.

Mehr Unterhalt – mehr Kosten

«Die Zunahme extremer Naturgefahrenereignisse, aber auch vermehrte Rutschungen und Instabilitäten im Untergrund werden die Strassen stärker gefährden als bisher – und zwar im ganzen Kanton», prognostiziert Markus Wyss weiter. Heisse Sommer mit trockenen Böden und heftige Regenfälle verstärken zudem den Oberflächenabfluss. Bestehende Strassenentwässerungsanlagen und Kanalisationsleitungen werden absehbar nicht mehr genügen und das abfliessende Wasser wird die Strassen und angrenzende Parzellen gefährden. Wo die Steinschlaggefahr zunimmt, braucht es auch Schutzbauten für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden. Bei den Strassen wie den Gewässern wird der bauliche Unterhalt, also die Substanzerhaltung, immer wichtiger. Das Tiefbauamt wird dafür längerfristig mehr Fachleute und mehr finanzielle Mittel einsetzen müssen.

Dieser 1,3 Kilometer lange Graben auf dem Gletscher Plaine Morte entstand 2019, um flutartige Wasserabflüsse ins Tal zu verhindern – dabei unterstützte das Tiefbauamt die Gemeinde Lenk und ihre Schwellenkorporation mit Erfolg.

Bild vergrössern Dieser 1,3 Kilometer lange Graben auf dem Gletscher Plaine Morte entstand 2019, um flutartige Wasserabflüsse ins Tal zu verhindern – dabei unterstützte das Tiefbauamt die Gemeinde Lenk und ihre Schwellenkorporation mit Erfolg.

Weniger Risiko im Fokus

«Der Klimawandel geschieht nicht sprunghaft und plötzlich, sondern entwickelt sich über Jahrzehnte», betont der Oberländer Kreisoberingenieur. Ist man beim Tiefbauamt auf das Unerwartete trotzdem vorbereitet? Markus Wyss: «Heute ist es schwierig, präventiv zu handeln, da niemand weiss, wann was und wo passieren wird.» (vgl. Rubrik «Im Gespräch»)
Daher gilt es, bekannte und potenzielle neue Stellen, von denen eine Gefahr für eine Kantonsstrasse und für den Verkehr ausgehen könnte, zu überwachen: zuerst mit Flugaufnahmen, Begehungen oder einfachen Messungen. Bei gefährlichen Entwicklungen wird die Überwachung intensiviert. Werden Schutzmassnahmen unumgänglich, stehen organisatorische Massnahmen im Vordergrund, um das Risiko zu senken. Dabei denkt Wyss an Alarmierungssysteme, die beispielsweise automatisch Lichtsignalanlagen einschalten und den Verkehr rechtzeitig stoppen. Markus Wyss ist überzeugt: «Künftig werden wir in der Schweiz vermehrt risikoorientiert handeln müssen.» Das bedeutet, die zum Schutz unseres Lebensraums zur Verfügung stehenden Mittel prioritär dort einzusetzen, wo die grössten Risiken lauern.

 

Hinweis

So trägt das Tiefbauamt zu weniger CO2-Ausstoss bei

Im Übereinkommen von Paris verpflichtet sich die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Sie will bis 2030 die Emissionen gegenüber 1990 halbieren und damit der globalen Erwärmung entgegenwirken.
Das Tiefbauamt kann dazu einen Beitrag leisten, indem es z. B. für den öffentlichen Verkehr und die Velofahrenden attraktive Strassen baut und den motorisierten Verkehr verstetigt. So entstehen weniger Staus und die Strassen sind attraktiver für alle Verkehrsteilnehmenden. In Werkhöfen produziert es Solarstrom, der teilweise ins Netz eingespeist wird. Mit der Grünpflege fördert das Amt den Erhalt der Biodiversität. Schliesslich will das Tiefbauamt im Strassenunterhalt in Zukunft auch vermehrt Fahrzeuge mit alternativen Antrieben (z. B. Elektrofahrzeuge) einsetzen.

Klimaszenarien CH2018

Nationale Plattform Naturgefahren PLANAT

Kanton Bern - Naturgefahren 


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