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Wo Signale den Weg weisen

Verhaltensregeln im Strassenverkehr mögen einem gefallen oder nicht, aber sie sind notwendig, um einen sicheren und flüssigen Verkehrsfluss zu gewährleisten. Das Tiefbauamt ist auf den Kantonsstrassen für die Signalisierung und Markierung verantwortlich und hat gegenüber den Gemeinden eine Aufsichtspflicht inne.

 

«Moderne Navigationssysteme vereinfachen zwar vielen Fahrzeuglenkern die Routenwahl, aber die Signalisation ist deswegen nicht weniger wichtig geworden», erzählt Lukas Bähler, Leiter der Fachgruppe Verkehrstechnik und -sicherheit beim Tiefbauamt. Sogar selbstfahrende Autos würden bei Fahrentscheidungen ihr Verhalten den angebrachten Signalen und Markierungen anpassen. Er erklärt weiter: «Ausserdem lenken Signale nicht nur den Verkehr, sondern erhöhen vor allem auch die Sicherheit auf den Strassen.»

Das Tiefbauamt ist für die Signalisierung und Markierung der Kantonsstrassen verantwortlich. Ziel ist es, den Verkehr zu lenken und mehr Sicherheit für alle Beteiligten zu schaffen.

Bild vergrössern Das Tiefbauamt ist für die Signalisierung und Markierung der Kantonsstrassen verantwortlich. Ziel ist es, den Verkehr zu lenken und mehr Sicherheit für alle Beteiligten zu schaffen.

Zweimal hinschauen

Denn oftmals geht es bei den Anliegen, die beim Tiefbauamt eintreffen, um potenzielle Gefahren, Vortrittsfragen, Fussgängerstreifen oder Tempolimiten. Pierre Ballmann, zuständig für Verkehrstechnik im Oberingenieurkreis Bern-Mittelland, bearbeitet schon seit 2005 Anfragen zur Signalisation: «Es ist jeweils schwierig, den Leuten zu erklären, warum wir nun an der einen Stelle einen Fussgängerstreifen erstellen können und an der anderen nicht. Auf den ersten Blick oft nicht erkennbar, können sich die verschiedenen Situationen stark unterscheiden.» Ein höheres Verkehrsaufkommen, unterschiedliche Fussgängerfrequenzen, nicht optimal einsehbare Annäherungsbereiche, Differenzen zwischen signalisierter und tatsächlich gefahrener Geschwindigkeit, knappe Erkennungsdistanzen oder Sichtweiten können die Entscheidung beeinflussen. In Tempo-30-Zonen sind von Gesetzes wegen Fussgängerstreifen sogar grundsätzlich unzulässig. Hier braucht es oft Überzeugungsarbeit, weil teilweise falsche Auffassungen bestehen. Ein Fussgängerstreifen stellt nur eine Umkehrung der Vortrittsverhältnisse dar, bietet aber noch keine Sicherheit. Zu einer sicheren Querungsstelle wird der Fussgängerstreifen erst, wenn auch die Strassensituation berücksichtigt wird, also beispielsweise Geschwindigkeiten, Fussgänger- und Fahrzeugmengen oder Sichtweiten. Gestützt darauf kann der Streifen entsprechend mit Signalisation, Beleuchtung, Schutzinseln und Annäherungsbereichen ausgerüstet werden.

Begehungen sind wichtig, um beispielsweise die Sichtverhältnisse auf einer Strasse zu beurteilen.

Bild vergrössern Begehungen sind wichtig, um beispielsweise die Sichtverhältnisse auf einer Strasse zu beurteilen.

Im stetigen Austausch

Auch Lukas Bähler betont die Schwierigkeit, es allen recht zu machen. «Das Strassenverkehrsgesetz macht klare Vorschriften. Dazu kommen eine Vielzahl von technischen Normen und die situationsspezifischen Gegebenheiten. Trotz dieser Rahmenbedingungen besteht häufig noch ein Ermessensspielraum, ob eine Massnahme umgesetzt wird und wie sie aussehen soll.» Um im ganzen Kanton eine gleichartige Praxis zu gewährleisten, tauschen sich die Vertreter der vier Oberingenieurkreise in einer Fachgruppe aus. Alle zwei Monate werden aktuelle Projekte und Anliegen intensiv diskutiert. Bähler trifft sich auch in nationalen Gremien zur Verkehrssicherheit und Signalisation, zum Beispiel im Signalisationsforum «SigFor», das von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) zusammen mit dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) organisiert wird. Hier werden Studien vorgestellt und Informationen ausgetauscht. Beispielsweise soll das Rechtsabbiegen bei Rot für Velofahrer unter gewissen Bedingungen bald erlaubt sein. Vor kurzem wurden im Gremium die Ergebnisse von Untersuchungen in der Stadt Basel präsentiert und Ansichten ausgetauscht. Bähler schätzt diesen Kontakt: «Es ist von Vorteil, wenn wir einen nationalen Austausch haben. So können wir gegenseitig von Erfahrungen und vom Wissen in anderen Kantonen profitieren. Zudem können sich die Signalisationsbehörden untereinander abstimmen und sich so stärkeres Gehör verschaffen.»

Um die Sichtbarkeit auch in der Nacht zu gewährleisten,
sind an Signalen, Pfosten und Markierungen retroreflektierende Materialien angebracht.

Bild vergrössern Um die Sichtbarkeit auch in der Nacht zu gewährleisten, sind an Signalen, Pfosten und Markierungen retroreflektierende Materialien angebracht.

Eigene Schriftart

Damit Signale auch gut erkennbar und verständlich sind, unterscheiden sie sich in Form und Farbe. Wie vielen aus der theoretischen Fahrprüfung bekannt ist, zeigen runde Signale eine Vorschrift an und dreieckige weisen auf Gefahren hin wie enge Kurven, Verengungen oder Unebenheiten in der Fahrbahn. «Dafür eignen sich Symbole, die unabhängig von einer Sprache rasch und eindeutig verstanden werden», meint Bähler. Auf Ortstafeln und Wegweisern kommt man um Text nicht herum. Hier wird eine spezielle Schriftart, die «ASTRA-Frutiger Standard», verwendet. Diese ist auch aus grösserer Distanz einfach zu lesen. Bei der Beschriftung von Tafeln müsse darauf geachtet werden, nicht allzu viele Zeichen zu verwenden. «Weniger ist mehr», sagt Bähler dazu. Um die Signale und Markierungen auch in der Nacht sichtbar zu machen, werden reflektierende Folien und Glasperlen benutzt. So können Sicherheitslinien oder Vortrittssignale nicht bloss durch einfaches Anleuchten, sondern durch Retroreflexion viel besser wahrgenommen werden. Solche Massnahmen können Leben retten. Bähler erklärt: «Ziel ist es, allen Verkehrsteilnehmenden eine funktionale und selbsterklärende Strasse zur Verfügung zu stellen. Ich bin überzeugt, dass Signale und Markierungen dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.»

Verkehrsteilnehmende sollten das vorherrschende Verkehrsregime bereits durch die Strassenraumgestaltung erkennen. Die Signalisierung mittels Eingangstoren ergänzt diese nur noch. Das Beispiel aus Worb zeigt die baulichen Anpassungen auf der umgestalteten Bernstrasse.

Bild vergrössern Verkehrsteilnehmende sollten das vorherrschende Verkehrsregime bereits durch die Strassenraumgestaltung erkennen. Die Signalisierung mittels Eingangstoren ergänzt diese nur noch. Das Beispiel aus Worb zeigt die baulichen Anpassungen auf der umgestalteten Bernstrasse.

Verhältnisse ändern sich

Die Verkehrstechniker vom Tiefbauamt sind auch gefragt, wenn eine Kreuzung umgebaut wird oder eine neue Umfahrung entsteht. Solche haben oft Verkehrsverlagerungen im ganzen umliegenden Gebiet zur Folge. So führt die Verkehrssanierung Worb dazu, dass der Durchgangsverkehr sich nicht mehr durch den Dorfkern schlängeln muss. Der neue Tunnel erlaubt eine flüssige Umfahrung. Die alte Kantonsstrasse durch Worb wird dadurch stark entlastet. Aus einer Kantonsstrasse wird eine Gemeindestrasse. In Kombination mit baulichen Massnahmen wird dabei auch die Signalisierung und Markierung stark verändert. Und es entstehen neue Tempozonen, z. B. eine Tempo-30- oder sogar eine Begegnungszone, wo ein Eingangstor das Tempolimit der jeweiligen Zone angibt und innerhalb dieser Zone grundsätzlich der Rechtsvortritt gilt.

Neuüberbauungen beeinflussen Signalisation

Auslöser für veränderte Signalisation oder Tempolimiten können aber auch Ortsplanungen und neue Überbauungen sein. So führt in der Gemeinde Vechigen die neue Überbauung Rämelgässli beim Dorfausgang von Boll zu mehr Abbiegeverkehr auf der Kantonsstrasse, das Ortsschild reicht aber nicht ganz bis zum besagten Abzweiger. Auf Antrag der Gemeinde prüfte das Tiefbauamt, ob die Voraussetzungen für eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde auf diesem Bereich erfüllt seien. Das dabei angefertigte Gutachten zeigte, dass hier eine Temporeduktion angezeigt ist, was diesen Frühling auch definitiv geschah (siehe auch Rubrik «Im Gespräch»).

Insgesamt hätten die Anfragen zur Temporeduktion auf Kantonsstrassen zugenommen, sagt Ballmann. Entsprechende Begehren der Gemeinden gelte es genau zu prüfen. Dabei kann längst nicht jedem Gesuch stattgegeben werden, denn gemäss Art. 108 Signalisationsverordnung (SSV) müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein, um von der Normgeschwindigkeit abzuweichen (siehe Kasten weiter unten). Mit gemeindeübergreifenden Konzepten für bestimmte wichtige Strassenachsen versucht das Tiefbauamt auch vorausschauend zu planen, wo eine Veränderung allenfalls möglich und sinnvoll wäre.

Abhängig davon, um welches Projekt es sich handelt, erhalten die Verkehrstechniker Unterstützung von der Beratungsstelle für Unfallverhütung, der Kantonspolizei oder beispielsweise der internen Fachstelle Langsamverkehr. Ballmann meint dazu: «Die verschiedenen Blickwinkel der Fachleute helfen, eine optimale Lösung zu finden. Wir können mit ihrer Hilfe besser abschätzen, ob und wie ein Projekt auszuführen ist.»

Hinweis

Wann sind Temporeduktionen möglich?

Grundsätzlich gilt auf Kantonsstrassen 50 (innerorts) oder 80 Kilometer pro Stunde (ausserorts). Begehren von Gemeinden für abweichende Höchstgeschwindigkeiten prüft das Tiefbauamt gemäss Art. 108 der Signalisationsverordnung (SSV). In Absatz 2 sind die Bedingungen aufgelistet.
Eine Temporeduktion ist dann zulässig, wenn

  • eine Gefahr nur schwer oder nicht rechtzeitig erkennbar ist
  • bestimmte Strassenbenützer eines besonderen Schutzes bedürfen
  • der Verkehrsablauf auf stark belasteten Strecken dadurch verbessert werden kann
  • eine übermässige Umweltbelastung (Lärm oder Schadstoffe) vermindert werden kann.

Mindestens eine der obigen Bedingungen muss erfüllt sein. Das Tiefbauamt klärt bei jeder Anfrage durch ein Gutachten ab, ob die Massnahme nötig, zweck- und verhältnismässig ist oder ob andere Massnahmen vorzuziehen wären. Temporäre Temporeduktionen während den Hauptverkehrszeiten sind eine abgeschwächte Möglichkeit, das Tempo auf bestimmten Strassenabschnitten von den Normwerten abweichen zu lassen.


Weitere Informationen

 


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