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Temporeduktion auf Kantonsstrassen – das Beispiel Vechigen

Abweichende Höchstgeschwindigkeiten sind ein politisch heiss diskutiertes Thema. Möglich sind sie nur, wenn bestimmte gesetzliche Voraussetzungen erfüllt sind. Seien es nun Tempo-30-Zonen oder Temporeduktionen von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde, das TBA überprüft jede Anfrage umfassend. Auf der Kantonsstrasse in Vechigen im Worblental zeigte sich, dass ein neues Tempolimit durchaus sinnvoll sein kann. Kreisoberingenieur Thomas Schmid im Gespräch mit dem Gemeindepräsidenten von Vechigen, Walter Schilt.

 

Herr Schmid, was braucht es, damit das Tiefbauamt einem Begehren nach Temporeduktion auf einer Kantonsstrasse zustimmt?

Thomas Schmid: Grundsätzlich gilt innerorts 50, ausserorts 80 Kilometer pro Stunde. Jede Abweichung von dieser Norm muss gut begründet sein. Im Einzelfall haben wir dann aufgrund der Gesetzgebung zu beurteilen, ob eine Tempoänderung aus Sicherheits-, Lärmschutz- oder Verkehrsflussgründen angezeigt ist oder nicht.

Nachdem Walter Schilt (rechts) eine Anfrage zur Temporeduktion an Thomas Schmid (links) weitergeleitet hatte, prüften Schmid und sein Team die Situation in Vechigen. Ab diesem Frühling gilt am Dorfausgang von Boll Tempo 60 anstatt Tempo 80.

Bild vergrössern Nachdem Walter Schilt (rechts) eine Anfrage zur Temporeduktion an Thomas Schmid (links) weitergeleitet hatte, prüften Schmid und sein Team die Situation in Vechigen. Ab diesem Frühling gilt am Dorfausgang von Boll Tempo 60 anstatt Tempo 80.

Herr Schilt, was veranlasste die Gemeinde Vechigen, am Dorfausgang von Boll beim Kanton eine Temporeduktion von 80 auf 60 einzufordern?

Walter Schilt: Durch die neue Überbauung Rämelgässli ausgangs von Boll wird sich der Abbiegeverkehr auf der Kantonsstrasse erhöhen. Auf Anregung einer Privatperson hat die Gemeinde den Oberingenieurkreis II ersucht, auf dem genannten Abschnitt versuchsweise Tempo 60 statt 80 zu signalisieren. Der Versuch während der Bauphase hat sich bewährt, weshalb wir die Temposignalisation gerne so beibehalten möchten. 

Schmid: Wir vom OIK II sind nach mehreren Abklärungsschritten zum Schluss gekommen, dass der Strassenabschnitt gemäss der Signalisationsverordnung (SSV) die Kriterien erfüllt. Durch die Neuüberbauung wird es mehr Ein- und Abbiegemanöver geben. Mit tieferer Geschwindigkeit wird die Verkehrssicherheit erhöht, der Verkehrsablauf flüssiger und die Umweltbelastung (Lärm) nimmt ab. Seit kurzem ist Tempo 60 auf dem Abschnitt nun definitiv so signalisiert.

 

Herr Schmid, gibt es viele solche Begehren zur Temporeduktion auf Kantonsstrassen in Ihrem Kreis? Auf was führen Sie das zurück?

Schmid: Ja, die Anfragen haben zugenommen, insbesondere von Privatpersonen. Diese verweisen wir aber an die Gemeinden. Wir überprüfen nur Gesuche, die uns von den Gemeinden gemeldet werden.

Schilt: Auch wir auf der Gemeinde sind zunehmend mit Forderungen von Bürgern konfrontiert, in die eine oder andere Richtung. Niemand will Verkehr vor dem Haus, aber freie Fahrt auf den Strassen. Im besagten Fall wurde die Temporeduktion aber weniger stark diskutiert als beispielsweise beim Dorfausgang Richtung Utzigen, wo das neue Tempolimit nicht bei allen gut ankam. Als Gemeinde sind wir froh, uns auf das vom Kanton vorgegebene Geschwindigkeitskonzept berufen zu können. Das bringt Planungssicherheit und schützt vor undurchdachten Anfragen.

Schmid: Die Verkehrssteuerung geht über Gemeindegrenzen hinaus und hat viele Abhängigkeiten. Zusammen mit den Gemeinden im Worblental haben wir deshalb ein Konzept erarbeitet, das einen flüssigen und sicheren Verkehr über den gesamten Kantonsstrassenabschnitt zum Ziel hat. Das Konzept gibt unter anderem Temposignalisationen vor. Dabei werden z. B. auch allfällige zukünftige Siedlungserweiterungen berücksichtigt. Einzelbegehren müssen in dieses Konzept passen. Ein ähnliches Konzept haben wir im Kreis übrigens für den Korridor im Wangental (Niederwangen-Neuenegg) entworfen.

 

Eine Höchstgeschwindigkeit zu signalisieren ist das eine, ob sie eingehalten wird das andere. Wie wird das kontrolliert?

Schmid: Wir haben bereits vor und während dem Versuch Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Wir werden im Frühling nochmals solche durchführen, wenn die Signalisation definitiv angebracht worden ist. Wir messen aber nur auf Kantonsstrassen, auf Gemeindestrassen ist die Gemeinde selber verantwortlich. Selbstverständlich erfolgen Temposignalisationen auch immer in Absprache mit der Polizei, die dann gegebenenfalls auch häufiger Geschwindigkeitskontrollen durchführt.

 

Kanton und Gemeinde haben in der Regel nicht immer gleiche Interessen. Wie lief die Zusammenarbeit in diesem Fall?

Schmid: Mit der Gemeinde Vechigen konnten wir bisher immer rasch gute und einvernehmliche Lösungen finden, auch wenn wir anfangs nicht immer zu 100 Prozent einig sind. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass beide Parteien eine gewisse personelle Kontinuität aufweisen.

Schilt: Einen ähnlichen Eindruck habe auch ich. Der gegenseitige Respekt ist vorhanden, keiner nimmt sich zu wichtig. Die Leute beim TBA machen ihre Aufgaben nicht nur fachlich prima, sondern sind auch angenehme Gesprächspartner. Wir schätzen den Austausch sehr und sind froh um ihre Unterstützung.


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