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Recyclingbaustoffe im Strassenbau fördern

Ein zentrales Anliegen der bernischen Abfallpolitik ist die Schonung der natürlichen Ressourcen. Der Einsatz von primären Baurohstoffen ist nicht immer nötig. Das Tiefbauamt fördert daher seit einiger Zeit im Tief- und Strassenbau den Einsatz von Recyclingbaustoffen – vor allem bei den Belagsschichten. Dies mit dem Ziel, die Recyclingraten in Zukunft noch zu erhöhen.

 

Die Standortsuche zur Gewinnung von Kies und Sand wird immer schwieriger. Dem Abbau stehen Nutzungs- oder Schutz-Interessen entgegen und diese schränken die Möglichkeiten ein. Ähnlich verhält es sich bei den Deponien im Kanton Bern. Das Deponievolumen ist knapp und soll nicht mit wiederverwertbaren, mineralischen Bauabfällen aufgefüllt werden.
Daher fördert das Tiefbauamt den sinnvollen Einsatz von mineralischen Recyclingbaustoffen. Diese Stossrichtung ist ein zentraler Punkt des Sachplans Abbau, Deponie und Transporte (ADT) sowie des Sachplans Abfall des Kantons Bern. «Es ist für alle öffentlichen Bauherren ein Gebot der Stunde, im Tief- und Strassenbau mehr Recyclingbaustoffe einzusetzen und damit die natürlichen Ressourcen zu schonen», so ist Amtsvorsteher Stefan Studer überzeugt.
(vgl. «Recyclingbaustoffe haben viel Potenzial» - TBA update, März 2016)

Zwischendeponie und Wiederaufbereitung von Asphalt in Niederwangen.

Bild vergrössern Zwischendeponie und Wiederaufbereitung von Asphalt in Niederwangen.

Schonender Umgang mit Ressourcen: gebrochener Alt-Asphalt, bereit zur Wiederverwertung.

Bild vergrössern Schonender Umgang mit Ressourcen: gebrochener Alt-Asphalt, bereit zur Wiederverwertung.

Wo Recyclingbaustoffe erfolgreich verwenden?

Die in der Schweiz jährlich anfallende Bauabfallmenge wird auf 14 Millionen Tonnen geschätzt. Darum ist die gesamte Bauwirtschaft gefordert, Baustoffe und Bauteile zu entwickeln, die einfach rezykliert und mehrfach verwendet werden können. Das Augenmerk des Tiefbauamts richtet sich dabei auf die Recyclingbaustoffe (RC-Baustoffe) im Tief- und Strassenbau.

Das Merkblatt mit den Verwendungsempfehlungen der mineralischen RC-Baustoffe für die Kantone Bern und Solothurn verschafft Bau-Akteuren einen guten, informativen Überblick, welche Recyclingbaustoffe wo eingesetzt werden können. Herausgegeben wurde es von der BVD Bau- und Verkehrsdirekten des Kantons Bern, dem BJD Bau- und Justizdepartement des Kantons Solothurn, dem Kies- und Betonverband KSE Bern und dem Solothurnischen Verband für Kies, Steine und Erden.

«Für eine hohe Verwendung von RC-Baustoffen ist es zentral, dass sie bereits in den Projektplänen und im Leistungsverzeichnis der Bauausschreibung berücksichtig sind», hält Studer fest. Deshalb hat das Tiefbauamt seine bautechnischen Details konsequent überprüft und überall, wo möglich auf die Verwendung von RC-Baustoffen spezifiziert. Zudem hat es seine beauftragten Ingenieurbüros angewiesen, wenn immer möglich Recyclingbaustoffe vorzusehen.

Grosse Mengen Recyclingbaustoffe könnten im Strassenbau vor allem in den Fundationsschichten zum Einsatz kommen. Weil aber Fundationsschichten in der Regel nur bei Kompletterneuerungen oder -umgestaltungen von Strassen ersetzt werden, liegt im Tiefbauamt das weitaus grössere Potenzial bei den Erneuerungen der oberen Belagsschichten, den sogenannten Trag-, Binder- und Deckschichten. Um den Anteil von Recyclingbaustoffen auch bei diesen Strassenbestandteilen zu erhöhen, erlaubt das Tiefbauamt seit 2019 gegenüber der Norm einen 20 Prozent höheren Recyclinganteil bei Asphaltbeton. Dabei muss die beauftragte Bauunternehmung die erforderliche Qualität gewährleisten sowie die üblichen Bedingungen akzeptieren. Die Erfahrungen mit Recyclingbaustoffen sind durchwegs positiv: «Richtig angewendet und verbaut, bieten Recyclingbaustoffe eine hohe Gewähr für qualitativ einwandfreie Bauwerke», meint Studer. Auch zeige die Erfahrung, dass die Verwendung von Recyclingbaustoffen gegenüber Primärmaterialien nicht zwingend teurer zu stehen kommt.

Wiederverwertete Baustoffe sind jedoch nicht überall möglich. «Beim komplexen Brückenbau ist der Einsatz von Recyclingbeton nur beschränkt möglich, da für tragende Strukturen sehr hohe Qualitätsanforderungen an den Beton gelten, die der Recyclingbeton oft nicht erfüllen kann», erklärt Studer. Hingegen kann Recyclingbeton ohne weiteres bei weniger exponierten und nicht kritischen Strukturen eingesetzt werden, beispielsweise für Hinterfüllungen von Stützmauern.

Mengenangaben zu Recyclingbaustoffen im Kanton Bern – 2018

Mineralische Bauabfälle   in m3  
In die Aufbereitung:      
  Ausbauasphalt 226 197  
  Betonabbruch 440 878  
  Dachziegel 19 215  
  Mischabbruch 40 699  
  Strassenaufbruch 92 480  
In die Deponie:   322 652  
Total mineralische Bauabfälle   1 142 121  
davon rezyklierte RC-Baustoffe    
Asphaltgranulat 175 211  
Betongranulat 265 986  
Dachziegelgranulat 7 896  
Mischabbruchgranulat 25 474  
Recyclingkiessand A 67 796  
Recyclingkiessand B 181 725  
Recyclingkiessand P 90 446  
Total rezyklierte RC-Baustoffe 814 534  

Der Verwertungsindex sämtlicher mineralischer Baustoffe lag demnach durchschnittlich bei rund 70 Prozent, wobei der Verwertungsanteil beim Ausbauasphalt etwas höher war.

Austauschen und Sensibilisieren

Seit 2015 sitzen Vertreter der betroffenen Ämter der Bau- und Verkehrsdirektion, der Kiesbranche, des Baumeisterverbands sowie der Ingenieurverbände regelmässig zusammen an einen «Runden Tisch», um sich über die jüngsten Entwicklungen und Prognosen zu Recyclingbaustoffen auszutauschen. «Unser Fokus liegt auf einem offenen Erfahrungsaustausch unter allen Bau-Akteuren und der Diskussion von Massnahmen, wie die Verwendung von Recyclingbaustoffen weiter gefördert werden kann», beschreibt Studer das Ziel des Austauschs. Dem Tiefbauamt ist die weitere Sensibilisierung der Auftragnehmer ein wichtiges Anliegen. Es hat dazu auch an Fachveranstaltungen zur Förderung von Recyclingbaustoffen mitgewirkt, welche die Branchenverbände für Gemeinden und Akteure der Bauwirtschaft durchführten.

Wohin geht die Entwicklung?

Die Hersteller von Recyclingbaustoffen haben in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen und in die Verbesserung von Technik und Verfahren investiert.
Um noch bessere Materialien entwickeln zu können, ist es wichtig, dass öffentliche wie auch private Bauherren solche Baustoffe möglichst auch nachfragen und verwenden. Dies wird nicht nur zu besserer Qualität solcher Baustoffe führen, sondern auch zu günstigeren Preisen.

Ganz wichtig ist, dass die Materialien bereits beim Ausbau sortenrein getrennt werden. Nur so können saubere und qualitätsgeprüfte Recyclingbaustoffe hergestellt werden. Bei Belagserneuerungen sollte daher darauf geachtet werden, dass der Altbelag in möglichst homogenen Schichten ausgefräst wird. Unter Umständen sind dazu mehrere Arbeitsgänge nötig. Denn je sortenreiner das Ausbruchmaterial ist, desto besser kann es im Produktionsprozess der Recyclingbaustoffe wiedereingesetzt werden.

Kantonsprojekte, bei denen Recyclingbaustoffe zum Einsatz kamen

Ortsdurchfahrt Diesse (2015)

Bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt Diesse hat die Dienststelle Berner Jura des Tiefbauamts die Deck- und Fundationsschicht der alten Strasse für den Bau der neuen wiederverwendet. Nach dem Ausbau der beiden Schichten bearbeitete eine mobile Aufbereitungsanlage das Material direkt vor Ort, worauf es für die Fundation wiederverwendet wurde. Auf diese Weise wurden die Transportwege reduziert und Zeit gespart. «Die Schwierigkeit bestand darin, genügend Platz zur Zwischenlagerung der rezyklierten Materialien zu finden», erzählt Cédric Berberat, Leiter der Dienststelle Berner Jura. Dennoch ist er überzeugt: «Wir können diese Methode, in Übereinstimmung mit den geltenden Richtlinien, nur weiterempfehlen.»

Verwendung: Dammschüttung mit stabilisiertem Aushubmaterial
Einbaumenge: rund 2011 m3

Strassensanierung: In Diesse entstand vor Ort aus dem Alten das Neue.

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A16 Court-Loveresse (2010–2017)

Beim Bau der A16 zwischen Court und Loveresse wurde für die gesamte Strecke das Aushubmaterial als Füllmaterial wiederverwendet sowie ein stabilisiertes Aushubmaterialgemisch anstelle von Kies eingesetzt. «Zudem haben wir in Bévilard einen Abschnitt von 1,3 Kilometern Länge und 3,50 Metern Breite mit zirka 1000 Tonnen rezykliertem Asphaltmischgut asphaltiert», berichtet TBA-Projektleiter Cédric Latscha.

Verwendung: Dammschüttung mit stabilisiertem Aushubmaterial
Einbaumenge: rund 210 000 m3
Verwendung: rezykliertes Asphaltgranulatgemisch statt Kies
Einbaumenge: rund 1000 Tonnen

Verwendung von Betongranulatgemisch statt Kies

Bild vergrössern Verwendung von Betongranulatgemisch statt Kies.

Einbau von sieben Zentimetern Kaltrecycling-Asphalt mit Belagsfertiger. Danach wird der Kaltrecycling-Asphalt mit Belagswalzen verdichtet.

Bild vergrössern Einbau von sieben Zentimetern Kaltrecycling-Asphalt mit Belagsfertiger. Danach wird der Kaltrecycling-Asphalt mit Belagswalzen verdichtet.

Bypass Thun Nord (2013–2017)

Der Bypass Thun Nord ist eine neue, die Aare querende Strassenverbindung im Norden der Agglomeration Thun.

«Dank der Verwendung von rezykliertem Material für die Beläge konnten rund 5000 m3 natürliche Gesteinsgemische und rund 370 Tonnen neues Bitumen eingespart werden. Diese Mengen waren im verwendeten RC-Asphaltgranulatgemisch enthalten», sagt TBA-Projektleiter Stefan Schöni.

Fundationsschichten: 8400 m3 RC-Kiesgemisch
Beläge mit RC-Anteilen: 17 400 Tonnen Deckbeläge, davon mit RC-Anteilen: 1000 Tonnen
Deckbeläge ohne RC-Anteile: 4500 Tonnen

Beim Bypass Thun Nord wurden in den Fundationsschichten zumeist rezyklierte Kiesgemische verwendet.

Bild vergrössern Beim Bypass Thun Nord wurden in den Fundationsschichten zumeist rezyklierte Kiesgemische verwendet.


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