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A5 Twann: Licht am Ende des Tunnels

Ein Umfahrungstunnel soll Twann, das schmucke Dorf am linken Bielerseeufer, vom Durchgangsverkehr entlasten. 1992 wurde ein erstes Ausführungsprojekt öffentlich aufgelegt. Seither dreht sich das Auflage-Einsprache-Karussell. Doch jetzt, fast drei Jahrzehnte später, sieht Twann Licht am Ende des Tunnels: Das gemeinsam mit den Schutzverbänden optimierte Projekt wird noch im Jahr 2019 öffentlich aufgelegt.

 

Das linke Bielerseeufer ist eine reich strukturierte Rebbaulandschaft. Es handelt sich um eine der am längsten besiedelten Gegenden der Schweiz. Vielen gilt der Verlauf der A5 am linken Bielerseeufer deshalb grundsätzlich als Bausünde. Die Schutzverbände hätten die Autobahn einst gerne auf der gesamten Länge in den Berg verlegt. Weil diese Lösung viel zu teuer gewesen wäre, entschieden sich Bund und Kanton für lokale Umfahrungen der Dörfer. Ligerz hat seinen Tunnel bereits, das Nachbardorf Twann wartet noch darauf.

 

Twann und die Rebberge am linken Bielerseeufer – eine einmalige Kulturlandschaft am Fusse des Juras.

Bild vergrössern Twann und die Rebberge am linken Bielerseeufer – eine einmalige Kulturlandschaft am Fusse des Juras.

Im Grundsatz hat der Bundesrat 1991 Ja zu einem Twanntunnel gesagt, der als Verlängerung des Ligerztunnels um rund 1,8 Kilometer in Richtung Biel angedacht ist. Im Jahr 2008 ging die Autobahn im Rahmen des neuen Finanzausgleichs an den Bund über. Der Bund hat aber den Kanton beauftragt, das Plangenehmigungsverfahren noch durchzuführen.

Blau: bestehender Ligerztunnel / Schwarz: Twanntunnel (2010 genehmigt) / Rot: Portal Ost und Tunnelzufahrt (neues Ausführungsprojekt 2019)

Bild vergrössern Blau: bestehender Ligerztunnel / Schwarz: Twanntunnel (2010 genehmigt) / Rot: Portal Ost und Tunnelzufahrt (neues Ausführungsprojekt 2019)

Stein des Anstosses: Das Ostportal

Ein erstes Projekt scheiterte 1992 am Widerstand von lokalen Wirten und Winzern, weil diese bei einer Umfahrung des Dorfes um ihre Kundschaft fürchteten. Weitere Ausführungsprojekte folgten in den Jahren 1999 und 2007. Doch keines dieser Projekte stiess auf genug Akzeptanz. Immer wieder erwuchs den Plänen Widerstand, nunmehr weniger vom Gewerbe als vom Landschafts- und Denkmalschutz. Den Schutzverbänden war vor allem die Ausgestaltung des Ostportals ein Dorn im Auge, aber auch die Verkehrsführung ab dem Halbanschluss Twann wurde kritisiert. 2011 hiess das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde der Stiftung für Landschaftsschutz und des Berner Heimatschutzes gegen das Ausführungsprojekt 2007 gut. In der Folge erarbeitete der Kanton zusammen mit der Gemeinde und den Schutzverbänden mehrere landschaftsverträglichere Varianten.

Das Auflage-Einsprache-Karussell dreht sich

Doch am Ende der ersten partizipativen Optimierung legte der Kanton dem Bund wiederum die ursprüngliche Variante zur Genehmigung vor, weil er diese unter Abwägung aller Interessen dennoch als Bestlösung taxierte. Der Bund genehmigte 2014 dieses Projekt – und rief damit die Schutzverbände wieder auf den Plan, die ein solches Vorgehen nicht hinnehmen wollten. Eine Landschaftsikone der Schweiz dürfe nicht durch überdimensionierte Verkehrsbauwerke zerstört werden, begründeten die Schutzverbände ihren Rekurs, der 2016 vom Bundesverwaltungsgericht erneut gestützt wurde.

Neuer Anlauf mit modellhafter Partizipation 

Für den Kanton war dieser Gerichtsentscheid nun Anlass genug, seine Haltung anzupassen. Er intensivierte die Zusammenarbeit mit den Vertretern der Schutzverbände in einer zweiten partizipativen Optimierung. Gemeinsam erarbeitete man so in den letzten drei Jahren ein Projekt, hinter dem alle stehen können: die Gemeinde, die Schutzverbände und auch der Kanton. Das Partizipationsverfahren, das noch nicht ganz abgeschlossen ist, hat die Fronten abgebaut und wird von den Schutzverbänden heute sogar als modellhaft gepriesen, vgl. Rubrik «Im Gespräch».

Ende gut, alles gut?

Noch im Jahr 2019 wird der Kanton dem Bund nun ein weiteres Ausführungsprojekt einreichen. Die Kosten des Twanntunnels belaufen sich gemäss heutiger Planung auf 227 Mio. Franken, davon entfallen 60 Mio. auf das Portal Ost inkl. Halbanschluss und Tagbaubereich.
Sobald die Plangenehmigung rechtskräftig ist, liegt es am Bund, das Projekt zu realisieren. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass das Dorf Twann doch noch in absehbarer Zeit zu seiner Umfahrung kommt, einer landschaftsverträglichen notabene.

Die neue Zufahrt zum Ostportal liegt im bestehenden Verkehrsraum und minimiert den Eingriff in den Rebberg: Die Staffelung der bergseitigen Hangsicherung in zwei Mauern lässt die gesamte Mauerhöhe landschaftsverträglicher wirken. Alle Betonmauern sind Teil des Strassenprojekts, die obere Natursteinmauer ist Teil des Rebbergs.

Bild vergrössern Die neue Zufahrt zum Ostportal liegt im bestehenden Verkehrsraum und minimiert den Eingriff in den Rebberg: Die Staffelung der bergseitigen Hangsicherung in zwei Mauern lässt die gesamte Mauerhöhe landschaftsverträglicher wirken. Alle Betonmauern sind Teil des Strassenprojekts, die obere Natursteinmauer ist Teil des Rebbergs.

Jahrhundertealte Wege und Mauern dienen dem Rebbau.

Bild vergrössern Jahrhundertealte Wege und Mauern dienen dem Rebbau.

Einmalige Lage: Die Rebberge am linken Bielerseeufer.

Bild vergrössern Einmalige Lage: Die Rebberge am linken Bielerseeufer.


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