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Biken und Wandern auf denselben Wegen

Immer öfter werden Wanderwege auch durch Mountainbiker benutzt. Vor allem in Tourismusregionen wie dem Berner Oberland kann das zu Konfliktsituationen führen. Wie sind diese zu lösen? Das diskutieren Andreas Grünig, Geschäftsführer einer Oberländer Planungsregion, und Markus Wyss, Kreisoberingenieur des OIK I.

 

Herr Grünig, Herr Wyss, was liegt Ihnen persönlich näher: Stollenpneus oder Wanderschuhe?

Andreas Grünig: (überlegt lange) Ich bin oft zu Fuss unterwegs, aber auch am Moutainbiken. Beides tue ich sehr gerne und kann mich darum schwer entscheiden. Vielleicht mit Wanderschuhen aufs Bike?

Markus Wyss: Früher hätte ich auch unentschieden gesagt. Ich bin schon Ende der 80er-Jahre Mountainbike gefahren. Aber da ich heute eher mit dem Rennrad unterwegs bin, liegen mir die Wanderschuhe nun näher.

 

Mountainbiker und Wanderer bewegen sich teils auf denselben Pfaden – und kommen sich bisweilen ins Gehege. Schildern Sie uns doch einen typischen Konfliktfall.

Markus Wyss: Auf einem schmalen, abschüssigen Weg oder bei einer unübersichtlichen Kurve kann es schnell einmal kritisch werden, wenn ein Biker mit Tempo «angerauscht» kommt. Ein Biker ist wegen des Bremswegs häufig weniger flexibel als ein Wanderer. Aber hat beim Aufeinandertreffen der Wanderer ein Problem, so hat auch der Biker eines.

Andreas Grünig: Solche Situationen gibt es, allerdings sind sie eher selten. Meist liegt es daran, dass Mountainbiker ihre Fähigkeiten überschätzen. Die Geschwindigkeit eines Bikers wirkt auf eine wandernde Familie einschüchternd. Kommt dann noch rücksichtsloses Verhalten dazu, führt das unweigerlich zu Problemen.

Die Gesprächspartner: 
Markus Wyss (links) ist Kreisoberingenieur im Berner Oberland. Er und sein Team im TBA haben zusammen mit dem Amt für Wald des Kantons Bern im letzten Jahr eine Arbeitshilfe «Mountainbike-Routen» erarbeitet, welche zu einem verträglichen Nebeneinander von Wanderern und Bikern beitragen soll.
Andreas Grünig (rechts) ist Geschäftsführer der Berg- und Planungsregionen Kandertal und Obersimmental-Saanenland. Er setzt sich u. a. für neue Mountainbike-Routen in seiner Region ein und kennt die Probleme, die sich zwischen Biken und Wandern ergeben können, aus seiner täglichen Arbeit.

Bild vergrössern Die Gesprächspartner: Markus Wyss (links) ist Kreisoberingenieur im Berner Oberland. Er und sein Team im TBA haben zusammen mit dem Amt für Wald des Kantons Bern im letzten Jahr eine Arbeitshilfe «Mountainbike-Routen» erarbeitet, welche zu einem verträglichen Nebeneinander von Wanderern und Bikern beitragen soll. Andreas Grünig (rechts) ist Geschäftsführer der Berg- und Planungsregionen Kandertal und Obersimmental-Saanenland. Er setzt sich u. a. für neue Mountainbike-Routen in seiner Region ein und kennt die Probleme, die sich zwischen Biken und Wandern ergeben können, aus seiner täglichen Arbeit.

Wanderwege stehen unter gesetzlichem Schutz, Mountainbike-Routen nicht. Wo ist eine Koexistenz von Wandern und Biken möglich, wo nicht?

Markus Wyss: Der Schutz der Wanderwege ist seit 1985 bundesgesetzlich verankert. Es geht dabei um den Schutz der Wanderer und den Erholungswert. Aber grundsätzlich darf ein Fahrrad auf sämtlichen Strassen und Wegen fahren, die geeignet und nicht mit einem Verbotsschild oder als Privatstrasse gekennzeichnet sind. In der von uns entwickelten Arbeitshilfe geben wir Kriterien zur Beurteilung der möglichen Konflikte auf einem Wegabschnitt vor. Wie breit ist der Weg, wie steil ist er, wie viele Biker und Wanderer sind unterwegs oder kann man ausweichen? Am Schluss resultiert aber nicht schwarz-weiss, sondern es muss abgewogen werden: Je grösser das Konfliktpotential ist, desto weniger geeignet ist ein Weg. Beim ersten Projekt in Grindelwald konnten wir so mehrere Abschnitte auf Wanderwegen ausmachen, die wenig problematisch für die gemeinsame Nutzung sind oder wo es nur einige zusätzliche Ausweichstellen braucht. Ausgerechnet in jenem Abschnitt, der von Bikern als «Filetstück» bezeichnet wird, ist aber eine Koexistenz nicht möglich. Auf anderen Abschnitten haben wir vertretbare Konzessionen gemacht.

Andreas Grünig: Bei der Planung suchen wir attraktive Routen. Wenn beide Parteien Platz finden, ist es umso besser. Die Arbeitshilfe ist für uns in der Praxis ein Werkzeug. Aber egal ob breit oder schmal, rauf oder runter: Auf gemeinsam benutzten Wegen braucht es immer gegenseitige Toleranz.


Herr Grünig, nach welchen Gesichtspunkten planen Sie in Ihrer Region Mountainbike-Routen? Wo bestehen die grössten Probleme?

Andreas Grünig: Wir wollen unser Angebot vor allem auf sportliche Leute und Familien ausrichten. Im Vordergrund steht somit der «Alltagsbiker» und nicht der vollausgerüstete «Kampfbiker», von welchem viele Leute ein eher negatives Bild entwickelt haben. Wir haben in einem ersten Schritt rund 80 Routen evaluiert. Die Hälfte davon ist aus verschiedenen Gründen bereits weggefallen. Teilweise bestanden Sicherheitsbedenken, auch war die Grundeigentümerzustimmung nicht überall gegeben. Auch die Gemeinden haben mitgewirkt. Wir rechnen damit, dass durch die Prüfung der Fachstellen und im Zuge der öffentlichen Mitwirkung weitere Routen zur Diskussion stehen. Der in diesem Projekt erstellte Richtplan wird uns aber in Zukunft helfen, qualitativ hochwertige Routen auf eine flexiblere, raschere Art und Weise zu realisieren.

Markus Wyss: Auch wir sind an attraktiven Bikerouten interessiert. Das bedingt aber, dass die Trägerschaften von Bikerouten bei der Planung eben auch bereit sind, Abstriche zu machen. Deshalb sind wir froh, wie im westlichen Oberland geplant wird. Schlecht ist für alle, wenn Biker wegen fehlender Signalisation Wanderwege befahren, auf denen eine Koexistenz nicht gut möglich ist.


Wer alles hat denn etwas zu sagen, wenn Sie eine Bikeroute planen, Herr Grünig?

Andreas Grünig: Neben den privaten Grundeigentümern und Gemeinden sind das eine Reihe weiterer Interessengruppen, z. B. die Jagd- und Waldvertreter, der Naturschutz und diverse Fachstellen, die von den Veränderungen auch betroffen sind. Da ist auch Überzeugungsarbeit zu leisten. In persönlichen Gesprächen und an Infoveranstaltungen versuchen wir zusammen mit den Gemeinden, den Grundeigentümern die Vorteile des gemeinsamen Vorgehens aufzuzeigen.

Markus Wyss: Die Gemeinden sind übrigens für den Unterhalt der Wanderwege zuständig. Kommen jetzt noch signalisierte Mountainbike-Routen dazu, bedeutet das Mehraufwand. Der sollte nicht unterschätzt werden. Andererseits lohnt er sich, wenn so ein zusätzliches, attraktives Angebot entsteht. Der Wille, das zu ermöglichen, ist auf allen Seiten spürbar – auch dank unserer Arbeitshilfe. Sie hilft, Diskussionen zu versachlichen.


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