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Von Tür zu Tür mit kombinierter Mobilität

Wie umgehen mit den stetig wachsenden Verkehrsströmen? Einer der Lösungsansätze ist die kombinierte Mobilität. Dahinter steckt die Idee, für den Weg von A nach B verschiedene Verkehrsmittel wie Auto, Velo und Zug zu einer effizienten Transportkette zu verknüpfen. Einen Beitrag zur kombinierten Mobilität leistet auch das Tiefbauamt, vor allem bei Angeboten wie Park+Ride und Bike+Ride.

 

Kombinierte Mobilität ist Hoffnungsträger für Staugeplagte und Massnahme für den Umweltschutz. Dank Umsteigen auf ÖV können längere Wege bequem und stressfrei zurückgelegt werden. Es entstehen weniger schädliche Emissionen als im Individualverkehr und man gewinnt Zeit.

Die Absicht hinter kombinierten Mobilitätsangeboten ist klar: Indem für den Arbeitsweg der öffentliche Verkehr mit dem Fuss- und Veloverkehr und dem Auto verknüpft wird, soll das gesamte Verkehrssystem entlastet werden, insbesondere zu den Pendlerzeiten. Kombinierte Mobilität ist ein wichtiges Element für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Mobilität. Dazu leistet auch das Tiefbauamt des Kantons Bern seinen Beitrag, indem es sich an den Investitionskosten von Park+Ride- und Bike+Ride-Anlagen beteiligt.

Kombinierte Mobilität: Funktionierende Transportketten, die ein schlankes Umsteigen vom einen auf das andere Verkehrsmittel erlauben (Bild: Béatrice Devènes)

Bild vergrössern Kombinierte Mobilität: Funktionierende Transportketten, die ein schlankes Umsteigen vom einen auf das andere Verkehrsmittel erlauben (Bild: Béatrice Devènes)

Die Beiträge leistet das Tiefbauamt auf der Basis des kantonalen Strassengesetzes. Peter Muheim, Leiter Fachstelle Planungen: «Geplant und koordiniert werden diese Anlagen von den Regionen. Sie stellen bei Bedarf Anträge zur Anpassung des Strassennetzplans.» Die Bauherren der Anlagen, in der Regel Transportunternehmen oder Gemeinden, reichen beim TBA einen Antrag auf Mitfinanzierung ein. Wenn die Kriterien erfüllt sind, beteiligt sich der Kanton mit 40 Prozent an den Investitionskosten. Für Bau, Unterhalt und Bewirtschaftung der Anlagen ist zumeist die Gemeinde oder der Bahnbetrieb zuständig. Auch der Bund leistet Unterstützungsbeiträge über die Agglomerationsprogramme.

Park+Ride in Wynigen: Die 90 Gratis-Parkplätze der Gemeinde sind werktags oft zu 100 Prozent ausgelastet – von Berufsleuten aus der Region, die nach Burgdorf, Bern und Olten pendeln.

Bild vergrössern Park+Ride in Wynigen: Die 90 Gratis-Parkplätze der Gemeinde sind werktags oft zu 100 Prozent ausgelastet – von Berufsleuten aus der Region, die nach Burgdorf, Bern und Olten pendeln.

Möglichst lange Strecken im ÖV

Als unterstützungswürdig erachtet das Tiefbauamt vor allem Park/Bike+Ride-Anlagen im ländlichen Raum. Dies entspricht der Absicht, dass die langen Strecken möglichst im öffentlichen Verkehr zurückgelegt werden und die kurzen zu Fuss, per Velo oder im Auto. «Je näher am Wohnort ein Umsteigen auf den ÖV möglich ist, desto eher wird auf den ÖV umgestiegen und desto mehr wird das Strassennetz entlastet», begründet Kantonsoberingenieur Stefan Studer diese Strategie.

Dank kombinierter Mobilität vergrössert sich das Einzugsgebiet von ÖV-Haltestellen. Stefan Studer betrachtet neue Verkehrsmittel wie das Elektrovelo als grosse Chance für die kombinierte Mobilität, gerade im ländlichen Raum: «Mit dem E-Bike lassen sich grössere Distanzen wesentlich bequemer zurücklegen. Auch für abgelegene Gebiete rückt so ein Umsteigebahnhof in akzeptable Nähe.»

Idealvorstellung der kombinierten Mobilität: Die langen Strecken mit dem umweltfreundlichen ÖV zurücklegen, die kurzen per Auto oder Velo (Bild: Béatrice Devènes)

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Kombiniert pendeln – ein Fallbeispiel

Anton S. wohnt in Büchslen und arbeitet in der Berner Altstadt. Meistens verlässt er um 6:45 Uhr sein Haus und fährt in seinem Auto an die nächstgelegene Bahnstation. Weil er die Staus im Berner Morgenverkehr scheut und es in der Nähe seines Arbeitsplatzes an der Junkerngasse ohnehin keine Parkplätze gibt, parkt er seinen Wagen in der P+R-Anlage in Gümmenen. Heute hat er Glück und findet einen freien Platz direkt am Perron. Das ist nicht immer so, er hat auch schon den Zug verpasst, weil er spät dran war. Das Parkticket könnte er stunden-, tage- oder monatsweise lösen, doch er hat sich für ein Jahresabo entschieden, genauso wie für die S-Bahn, in die er nun einsteigt. Wenn Anton S. wie heute zu den Pendlerzeiten reist, findet er in der S-Bahn oft keinen Sitzplatz mehr für die 25-minütige Fahrt. Doch er arbeitet unregelmässig in einem 80-Prozent-Pensum und kann Spitzenzeiten bisweilen meiden. Im Bahnhof Bern angekommen, legt er die letzte Wegstrecke zu Fuss oder im Bus zurück. Im Sommer wechselt er auf Publibike, da er sich während der Arbeit viel im städtischen Verkehr bewegt. Nach 18 Uhr macht sich Anton S. auf den Heimweg. Oft nutzt er die Zeit bis zur Zugsabfahrt und kauft im Berner Bahnhof noch ein Brot oder anderes ein – denn in Gümmenen ist es zu spät: Es gibt dort weit und breit keine Einkaufsmöglichkeit.

Mobilitätshubs auf dem Vormarsch

Das Beispiel von Anton S. zeigt: Noch funktioniert kombinierte Mobilität nicht immer reibungslos. An den Umsteigestationen braucht es nicht nur Auto- oder Veloabstellplätze, sondern auch kurze und direkte Umsteigewege zur Bahn, schlanke Anschlüsse und im Zug ein genügendes Sitzplatzangebot. Kombiniert sollte auch das Ticketangebot sein. «Idealerweise entstehen bei gut gelegenen Umsteigestationen Einkaufsmöglichkeiten und weitere Dienstleistungsangebote», sagt Stefan Studer und spricht damit die Idee der sogenannten Mobilitätshubs an. Mobilitätshubs sind Umsteigebahnhöfe, die mehrere Verkehrsmittel vernetzen und ÖV-Kunden zusätzliche Dienstleistungen anbieten. So wollen zum Beispiel die Stadt Bern und die BLS die Bahnstationen Ausserholligen und Wankdorf zu Mobilitätshubs ausbauen.

Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland erarbeitet momentan eine Studie zu Mobilitätshubs. Sie dient der Koordination solcher Vorhaben und soll die Frage beantworten, wo und unter welchen Voraussetzungen solche zentrumsnahe Hubs in der Region Bern Sinn machen. Das TBA unterstützt solche Studien, entsprechen solche Hubs doch auch der Stossrichtung des geplanten neuen Sachplans Verkehr des Bundes (vgl. dazu auch die Rubrik «Im Gespräch»).


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