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Lärmmindernde Beläge – Entwicklung zeigt Fortschritt

Lärm macht krank, das belegen viele Studien. Das TBA als Eigentümer der Kantonsstrassen trägt die Verantwortung, die Bevölkerung vor übermässigem Strassenlärm zu schützen. In der Vergangenheit wurden dazu über 180 Mio. Franken in den Lärmschutz investiert. Heute stehen denn vermehrt Massnahmen an der Lärmquelle im Vordergrund. Denn damit können mehr Personen vor Lärm geschützt werden. Bereits seit den 90er-Jahren testet das TBA intensiv lärmmindernde Beläge und hat wertvolle Erfahrungen gemacht. So weiss man heute, in welchen Situationen welche Beläge sinnvoll sind und wie sie eingebaut und unterhalten werden müssen, damit sie ihre lärmmindernde Funktion möglichst lange erfüllen.

 

In der Schweiz ist gemäss Bundesamt für Umwelt tagsüber jede siebte und in der Nacht jede achte Person an ihrem Wohnort schädlichem oder lästigem Verkehrslärm ausgesetzt. Betroffen sind hauptsächlich Wohnlagen in den Städten und Agglomerationen, wobei der Strassenverkehr die grösste Lärmquelle ist. Im Kanton Bern sind davon rund 100 000 Personen tangiert. Bei 260 von 2200 Kilometern des Berner Kantonsstrassennetzes werden die Lärmgrenzwerte überschritten. Sie müssen deshalb lärmsaniert werden. Das TBA hat in den letzten Jahrzehnten viel in den Lärmschutz investiert. Aus verschiedenen Gründen (z. B. Verkehrszunahme, grössere Fahrzeuge etc.) bleibt der Strassenlärmschutz jedoch eine Daueraufgabe. Beim Lärmschutz wird nicht nur auf herkömmliche Massnahmen wie Lärmschutzwände oder Schallschutzfenster gesetzt, der Lärm wird zunehmend auch an der Quelle bekämpft: mit lärmmindernden Strassenbelägen, die die Rollgeräusche des Autoverkehrs eindämmen oder mit Temporeduktionen. Von 2011 bis 2015 hat das Tiefbauamt auf über einem Dutzend Strecken testweise lärmmindernde Beläge eingebaut. Seither werden diese vermehrt eingesetzt – allein 2018 und 2019 kamen 20 neue Abschnitte dazu, sodass heute solche Beläge auf rund 25 Kilometern Kantonsstrassen verbaut sind. 

Auf Mission für mehr Lärmschutz – Einbau eines lärmmindernden Belags auf der Kantonsstrasse in der Gemeinde Hinterkappelen.

Bild vergrössern Auf Mission für mehr Lärmschutz – Einbau eines lärmmindernden Belags auf der Kantonsstrasse in der Gemeinde Hinterkappelen.

Lebensdauer verlängern

Doch was ist das Geheimnis von lärmmindernden Strassenbelägen? Bestimmend für deren akustisches Verhalten sind die Korngrösse und der Hohlraumgehalt des Deckbelags, also der obersten Asphaltschicht. Je kleiner das Korn des Mischguts (also des Rohmaterials des Strassenbelags) und je grösser der Hohlraumgehalt, desto leiser ist ein Belag. Daher stammt auch der Name: Semi-Dichter-Asphalt, kurz SDA-Belag. Die Hohlräume im lärmmindernden Belag absorbieren die von den Reifen ausgelösten Rollgeräusche und die Energie der Schallwellen bleibt so im Boden.

Als lärmmindernd gelten Beläge, die den Lärm um mindestens 1 Dezibel (dBA) reduzieren. Anic Werder Picuasi, Co-Leiterin der Fachstelle Lärmschutz beim Tiefbauamt, erläutert: «Eine Pegelreduktion um 3 dBA ist gleichbedeutend mit einer Halbierung des Verkehrs. Im Neuzustand erzielen die wirkungsvollsten Beläge aber sogar eine Lärmreduktion von bis zu 8 dBA gegenüber konventionellem Asphalt.» Doch nimmt die Lärmminderung mit zunehmendem Alter des Belags ab, weil die Hohlräume sich mit Pneuabrieb und Schmutz füllen und das Gewicht der Fahrzeuge den Belag mehr und mehr zusammenpresst. Man geht heute davon aus, dass lärmmindernde Beläge eine kürzere Lebensdauer als konventionelle Beläge haben, weil sie mit der Zeit ihre akustische Wirkung verlieren und ersetzt werden müssen. Lärmmindernde Beläge möglichst lange nutzen zu können, daran arbeiten die Spezialisten an der Front und in der Forschung (vgl. Rubrik «Im Gespräch»). Im Kanton Genf wurde nun erstmals bei einem lärmmindernden Belag nach zehn Jahren noch eine Lärmreduktion von 3 dBA gemessen. Darüber freuen sich auch die Lärmschutz-Beauftragten im Kanton Bern: «Wir sind auf gutem Weg, die akustische und mechanische Haltbarkeit zu verbessern», sagt Anic Werder Picuasi. Ein wichtiges Kriterium, welcher Belag im Einzelfall eingebaut werden soll, ist auch das Geld: Lärmmindernder Belag ist heute in der Gesamtbilanz noch deutlich kostspieliger als konventioneller Belag. «Aber wenn wir dadurch auf Lärmschutzwände oder Schallschutzfenster verzichten können, lohnen sich diese Mehrkosten», betont Martin Beusch, Co-Leiter der Fachstelle Lärmschutz. An den Kosten lärmmindernder Beläge beteiligt sich der Bund mit 16 Prozent.

Geringeres Tempo – weniger Lärm

Gegen Strassenlärm hilft auch eine verminderte Geschwindigkeit. Nach der neueren bundesgerichtlichen Praxis muss bei Lärmsanierungen auch geprüft werden, ob mit dem Herabsetzen von Höchstgeschwindigkeiten (z. B. auf Tempo 30) die Lärmschutzziele erreicht werden können. Denn tiefere Geschwindigkeiten führen zu einer Reduktion der Lärmbelastung. Entscheidend ist aber auch hier die Verhältnismässigkeit der Massnahme. Dazu erarbeitet das Bundesamt für Umwelt (BAFU) aktuell einen Leitfaden, anhand dessen die Verhältnismässigkeit in einer konkreten Situation beurteilt werden kann.

Laut ist out

Wie Menschen auf Schall reagieren, ist individuell geprägt. Nicht nur objektiv feststellbare körperliche Krankheitssymptome gelten als gesundheitliche Beeinträchtigungen, sondern auch das durch Lärm gestörte subjektive Wohlbefinden. Daher sind vor allem nachts ab 40 bis 45 Dezibel Auswirkungen auf die Gesundheit feststellbar. Als Konsequenz sind in der Schweiz rund 500 der jährlich etwa 20 000 Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf die Wirkung von Lärm zurückzuführen. (Quelle: Studie SiRENE)

Bereits wenn der Lärm um 3 dBA abnimmt, wird das als weniger störend empfunden. Anic Werder Picuasi: «Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlafproblemen kann z. B. sogar auch Diabetes eine Folge von übermässigen Lärmimmissionen sein.» Obschon man sich psychisch an Lärm vermeintlich gewöhnt, bleibt der damit verbundene Stress körperlich bestehen. Für die Schweiz entstehen daraus gesundheitliche Folgekosten von rund 1,5 Milliarden Franken pro Jahr. «Diese Fakten und der Auftrag der kantonalen Lärmschutzverordnung sind unser Antrieb für den Lärmschutz», sagt Martin Beusch. Wichtig: Auch leise Reifen und eine angepasste Fahrweise sind dem Lärmschutz zuträglich. «Laut ist out», hiess heuer die Sensibilisierungskampagne der Vereinigung kantonaler Lärmschutzfachleute, in der auch Anic Werder Picuasi und Martin Beusch vertreten sind.

 
Für lärmmindernde Beläge sind Reinigungen wichtig, damit Hohlräume sich nicht verstopfen.

Bild vergrössern Für lärmmindernde Beläge sind Reinigungen wichtig, damit Hohlräume sich nicht verstopfen.


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