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«Eine langfristige Planung ist wichtig»

Seit 30 Jahren fördert der Kanton Bern den Veloverkehr – und nicht mehr nur auf Kantonsstrassen: Gemäss Artikel 59 des Strassengesetzes (SG) kann das TBA auch 40 Prozent der Investitionskosten für wichtige Velorouten auf Gemeindestrassen mitfinanzieren. Über einschlägige Projekte in Lyss und den Stand der Dinge diskutieren Tanja Trachsler und Oliver Dreyer, Co-Leitung der Fachstelle Langsamverkehr im TBA, mit Ruedi Frey, Abteilungsleiter Bau + Planung der Gemeinde Lyss.

 

Herr Frey, Lyss hat von der kantonalen Unterstützung schon Gebrauch gemacht. Was war Ihr Antrieb?

Frey: Lyss erlebt derzeit ein grosses Wachstum. Dabei ist wichtig, ein gutes Netz für ÖV und Langsamverkehr zu gewährleisten. Also realisierten wir in den letzten Jahren mehrere Veloprojekte. Zusätzliche Kantonsbeiträge haben wir für die Veloverbindung Lyss-Busswil sowie diejenige im Buchzopfen erhalten. Erstere wurde durch den Sachplan Veloverkehr zum Thema, das zweite Projekt erwuchs aus unserer Planung. Hier ging es darum, die Interessen von Kanton, Gemeinde sowie Privaten zu bündeln und Projektpartner – auch für die Finanzierung – zu finden.

Dreyer: In beiden Fällen ist die Gemeinde aktiv geworden und an den Oberingenieurkreis III herangetreten, der wiederum uns als Fachstelle beigezogen hat. Die Verbindung Lyss-Busswil war dann kantonsweit das erste Projekt, welches den besagten Kantonsbeitrag erhielt.

Trachsler: Neben Lyss gibt es im Kanton Bern bisher nur vereinzelt solche Projekte. Wir vermuten, dass viele Gemeinden gar nicht um diese Möglichkeit wissen. Denn der Sachplan Veloverkehr, aus dem die beitragsberechtigten Strecken hervorgehen, wurde 2014 genehmigt – ist also relativ neu.

Dreyer: Es könnte auch daran liegen, dass Investitionen beitragsberechtigt sind, nicht aber Unterhaltsarbeiten wie eine Belagssanierung. Die 40 Prozent gelten zudem nur für die velobedingten Kosten. Dient eine Investition mehreren Verkehrsträgern (z. B. Ausbau einer Strasse), fällt der velobedingte Kantonsbeitrag unter Umständen klein aus.

Frey: Die Initiative muss von den Gemeinden ausgehen. Wahrscheinlich sind aber nicht alle darin geübt, solche Projekte umzusetzen. Vielleicht haben Gemeinden auch gar nicht so viele Veloprojekte, da das Netz vorwiegend auf den Kantonsstrassen verläuft.

Tanja Trachsler und Oliver Dreyer (1. v. l.), Co-Leitung der Fachstelle Langsamverkehr, besichtigen mit Ruedi Frey, Abteilungsleiter Bau + Planung der Gemeinde Lyss, die neue Veloverbindung Buchzopfen zwischen Bahnhof Lyss und Industriegebiet Lyss Nord.

Bild vergrössern Tanja Trachsler und Oliver Dreyer (1. v. l.), Co-Leitung der Fachstelle Langsamverkehr, besichtigen mit Ruedi Frey, Abteilungsleiter Bau + Planung der Gemeinde Lyss, die neue Veloverbindung Buchzopfen zwischen Bahnhof Lyss und Industriegebiet Lyss Nord.

Warum beteiligt sich das TBA überhaupt an Velomassnahmen auf Gemeindestrassen?

Trachsler: Der Kanton Bern will gemäss Gesamtmobilitätsstrategie den Langsamverkehr fördern. Lange galt dabei: Velonetz gleich Kantonsstrassennetz. Letzteres ist aber für Velos nicht immer optimal, da sich nicht alle auf einer dicht befahrenen Strasse wohl fühlen und Massnahmen häufig sehr teuer sind. Das Ziel ist ein sicheres, attraktives Netz. Ob das auf Gemeinde- oder Kantonsstrassen liegt, ist sekundär. Deshalb rücken vermehrt Velomassnahmen auf Gemeindestrassen in den Fokus.

Frey: Diese Erweiterung begrüsse ich sehr, denn wir haben ebenfalls Netzlücken. Können wir nun gemeinsam mit dem TBA die Streckenführung optimieren und das Velonetz vervollständigen, stärkt das auch unseren Langsamverkehr. Beim Projekt Buchzopfen ergab sich z. B. eine Win-win-Situation, indem die kantonale Velofreizeitroute in Richtung Biel auf die neue Radverbindung zwischen Bahnhof Lyss und Industriegebiet Lyss Nord gelegt werden konnte.

Dreyer: Solche Ortskenntnisse aus der Gemeinde – z. B. wo die wichtigen lokalen Verbindungen liegen – sind für das TBA sehr wichtig. So lassen sich letztlich die besten Lösungen für den Veloverkehr finden. Im Gegenzug können wir von der Fachstelle die Gemeinden beraten, indem wir sie z. B. auf neue Lösungsansätze hinweisen. Dieser Austausch bringt allen Parteien einen Mehrwert.

 

Was raten Sie anderen Gemeinden, Herr Frey, um eine so erfolgreiche Velo-Zusammenarbeit zu erreichen wie die Gemeinde Lyss?

Frey: Im Verkehrsbereich ist eine langfristige Planung wichtig. Daher gilt es, die Velobedürfnisse in der Gemeinde abzuklären und mit dem Sachplan Veloverkehr abzugleichen. Entsprechend sollten die Planungsinstrumente überprüft und Projektpartner gesucht werden. Dabei ist auch der frühe Einbezug des zuständigen Oberingenieurkreises wichtig. Denn der Prozess braucht Zeit, man kann nicht einfach beim Kanton Subventionen abholen.

Trachsler: Wenn die Gemeinden langfristig planen und vorbereitet sind, können sie schneller auf Projekte reagieren, die sich gut mit Velomassnahmen kombinieren lassen. Als Unterstützung können sie dabei auf die TBA-Richtlinie «Kantonsbeiträge an Investitionen in wichtige Velorouten auf Gemeinde- und Privatstrassen» zurückgreifen.


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