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Die Transjurane vor der Vollendung

Am 3. April 2017 geht ein Generationenprojekt zu Ende: Mit der Eröffnung des letzten Teilstücks zwischen Court und Loveresse ist die 85 km lange Autobahn A16 durch das Juragebirge vollendet. TBA update nimmt dieses Ereignis zum Anlass, das über 30 Jahre dauernde Projekt Revue passieren zu lassen.

Durchgehend grün signalisiert von Biel bis an die französische Grenze fahren: Das wird ab April 2017 möglich sein. Dann kann der Verkehr nämlich auch noch das letzte A16-Teilstück zwischen Court und Loveresse – 9,4 km lang und rund 660 Mio. Franken teuer – in Beschlag nehmen. Künftig soll dieser neue Autobahnabschnitt die Hälfte der 8000 bis 11 000 täglich im Tal verkehrenden Fahrzeuge aufnehmen, ab 2030 dann rund 7500 Autos pro Tag.

Letzte Lücke gefüllt

Die ersten Arbeiten – das Erstellen der Baupisten – fanden 2009 auf diesem Autobahnabschnitt statt, ein Jahr später konnten die Hauptarbeiten lanciert werden: «Zwischen 2010 und 2015 war hier sehr viel los, stellenweise arbeiteten an die 300 Personen vor Ort», erzählt Alain Koenig, verantwortlicher Bauingenieur beim TBA. Doch diese Zahl schwankte relativ stark, je nachdem welche Arbeiten zu erledigen waren. «In diesem Gebiet zu bauen war wegen der geologischen Bedingungen – sprich den vielen Rutschhängen – zudem ein schwieriges Unterfangen. Alle Kunstbauten mussten deshalb auf Pfählen errichtet werden.» Die Arbeiten geleitet und koordiniert hat dabei die Abteilung Nationalstrassenbau, die sich ebenfalls der Fertigstellung der A5-Umfahrung Biel widmet. Mit rund 20 Mitarbeitenden ist sie nicht besonders gross, verfügt dafür über einen umfangreichen Erfahrungsschatz. Allerdings: «Es ist nicht einfach Leute zu finden, die Erfahrung mit solchen Grossbauprojekten haben», so Koenig.

In einer Stunde von Biel bis an die französische Grenze – die Transjurane macht es möglich (hier: A16 bei Moutier).

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Rund acht Jahre nach Baustart rollen auf dem Teilstück Court – Loveresse die Autos nun bald durch zwei Tunnel und drei Galerien, über zwei Viadukte sowie zwei Brücken. Dieser Streckenabschnitt ist dabei über rund vier Kilometer zweispurig, zwischen den Dörfern Court und Malleray verläuft er hingegen über rund fünf Kilometer vierspurig.

A16: Das Teilstück Court-Loveresse und seine Kunstbauten.

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Durch Hügel und über Flüsse

«Dieses Teilstück ist damit sehr repräsentativ für die gesamte Transjurane», meint Koenig schliesslich. Denn die 85 km zwischen Biel und Boncourt – 48 km davon im Kanton Jura und 37 km im Kanton Bern – führen durch 33 Tunnel oder Galerien. Somit verlaufen rund 43% der ganzen Strecke unterirdisch. Weiter zieren 20 Viadukte die A16 bis an die französische Grenze. Und mit ihren über 18 Anschlüssen und sechs Halbanschlüssen verbindet sie die Ortschaften der Jurakette miteinander. Kostenpunkt des gesamten Bauwerks: rund 6,6 Mia. Franken, wobei der Bund die finanzielle Hauptlast trägt: Im Kanton Bern trug er bis 2005 84% und danach 87% der Kosten, im Kanton Jura übernahm er sogar 95%. Der Rest ging zulasten der jeweiligen Kantone.

Auf Berner Seite fand der erste Spatenstich am 8. September 1989 beim Tunnel Pierre-Pertuis zwischen Sonceboz und Tavannes statt. «Die Strecke in der Taubenlochschlucht stammt noch von früher, die übrigen Teilstücke wurden Ende der 90er-Jahre angefangen», ergänzt Koenig. Als das Eigentum der Nationalstrassen 2008 an den Bund überging, behielt dieser weiterhin die Oberaufsicht und das TBA baute als Bauherrenvertretung weiter. Und da das TBA nicht an den 37 km gleichzeitig, sondern aus Ressourcengründen Teilstück für Teilstück in Angriff nahm, gingen die einzelnen Abschnitte auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den Betrieb über:

Teilstück Streckenlänge Eröffnungsdatum
Kantonsgrenze JU/BE – Moutier-Nord 4,3 km 30. November 2007
Moutier-Nord – Moutier-Süd 2,1 km 25. November 2011
Moutier-Süd – Court 3,1 km 5. November 2013
Court – Loveresse 9,1 km 3. April 2017
Loveresse – Tavannes 3,7 km 29. November 2012
Tavannes – La Heutte 7 km 10. November 1995 / 18. November 1997
La Heutte – Bözingenfeld/Biel 7,7 km Stückweise ab 1965 bis 1981

Wie Koenig einräumt, gab es beim Bau nur beschränkt Koordinationsbedarf zwischen den beiden Kantonen: «Wir haben beide unseren Teil gebaut. Nur für den Abschnitt an der Kantonsgrenze bei Roche St-Jean arbeiteten die beiden Kantone enger zusammen.» Zudem verfügten sie über eine gemeinsame Kommunikationsstelle für die Öffentlichkeitsarbeit.

Ein Blick zurück

Die Geschichte der Transjurane reicht aber noch weiter in die Vergangenheit zurück. Denn wie diese Juraquerung aussehen könnte, zeigten erste Variantenstudien bereits in den 1970er-Jahren auf. Die konkrete Ausarbeitung des Gesamtprojekts startete dann aber erst mit der Aufnahme der A16 in den Plan des Nationalstrassennetzes am 1. Oktober 1984. Der Weg dahin war gekennzeichnet von zahlreichen politischen Interventionen, der Gründung des Kantons Jura sowie einem deutlichen «JA» zum Bau der A16 in der jurassischen Volksabstimmung vom 7. März 1982 (71% Zustimmung). Und auch der Berner Jura sprach sich stets für die neue Autobahn aus.

Die A16 ist rund 85 km lang, 48 km davon liegen im Kanton Jura und 37 km auf Berner Boden.

Bild vergrössern Die A16 ist rund 85 km lang, 48 km davon liegen im Kanton Jura und 37 km auf Berner Boden.

Die Ziele hinter dieser schnelleren Verbindung – der Weg zwischen Biel und Boncourt kann nun in einer Stunde statt wie bisher in 90 Minuten zurückgelegt werden – sind vielfältig. Auf der einen Seite gewährleistet die A16 eine direkte Anbindung der Juraregion an das Mittelland sowie der Schweiz an das französische Autobahnnetz. Dadurch kann auch der Verkehrsknoten Basel in Richtung Frankreich entlastet werden. Andererseits soll die Transjurane der eher strukturschwachen Region einen Entwicklungsschub in wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Hinsicht geben und den Jura attraktiver machen.

Dabei bildet die Transjurane auch ein Bindeglied zwischen den lokalen Zentren und den abgelegenen Regionen, die durch die Topographie bisher klar voneinander getrennt waren. Denn: «Ein ÖV-Angebot ist im Berner Jura zwar vorhanden, die Menschen sind aber auch auf das Auto angewiesen. Die A16 wird die Mobilitätssituation deutlich verbessern, da sie mehr Sicherheit schafft», erklärt Koenig, der selbst aus Moutier stammt. Denn v. a. im Winter seien die kleinen Strässchen, die sich durch enge Schluchten winden, oft gefährlich. Darüber hinaus fängt die Transjurane einen Grossteil des lokalen und regionalen Verkehrs auf und entlastet so die umliegenden Dörfer vom Durchgangsverkehr. Und dieser Effekt macht sich auch schon deutlich bemerkbar, so Koenig: «Man sieht diese Veränderungen nun seit einiger Zeit. So hat z. B. Reconvilier nach der Eröffnung des Teilstücks Loveresse-Tavannes einen deutlichen Verkehrsrückgang im Dorfkern erfahren, so wie auch Moutier seit der Inbetriebnahme der Umfahrung.»

Im Rahmen der ökologischen Ersatzmassnahmen wurden u. a. neue Weiher angelegt.

Bild vergrössern Im Rahmen der ökologischen Ersatzmassnahmen wurden u. a. neue Weiher angelegt.

Besonderheiten und Herausforderungen

Beim Bau der Transjurane hat das TBA grossen Wert auf die Qualität der Kunstbauten sowie auf die Umweltverträglichkeit gelegt. Koenig: «Ein Hauptanliegen war sicher, qualitativ hochstehende Bauten zu erstellen, die dann auch 100 Jahre überdauern können.» Ein weiterer zentraler Punkt war die gute Einbettung der A16 in die jurassische Landschaft. «Dank der durchgeführten Umweltverträglichkeitsprüfung ist uns das sehr gut gelungen.» Dennoch verändert ein solches Bauwerk die Landschaft erheblich. Deshalb mussten etwa ökologische Ersatzmassnahmen realisiert werden: «Was wir an Waldgebiet abholzten, forsteten wir andernorts wieder auf. Wir haben auch Bäche revitalisiert, neue ökologisch wertvolle Weiher geschaffen und Wald- sowie Feldwege angelegt», erzählt Koenig. Und während man im Kanton Jura nach Dinosaurier-Skeletten grub, behielt man im Berner Jura die zahlreichen Quellen bewusst im Auge: «Es hat hier enorm viele Wasserläufe, die von den Hügeln hinabfliessen. Die wollten wir nicht versiegen oder an Wasserqualität einbüssen lassen.» Diese Vielfältigkeit ist ein Merkmal der Transjurane und hat das Projekt nicht nur für Alain Koenig zu einem unvergesslichen Ereignis gemacht.

Hinweis

Möchten Sie dieses Generationenprojekt auch in Ihrem Büchergestell haben? Eine Publikation in zwei Bänden («De Boncourt à Choindez» und «De Roches à Bienne») zeichnet die Entstehungsgeschichte der A16 nach und stellt sie mit all ihren Kunstbauten dar. Zahlreiche Illustrationen veranschaulichen den Weg bis zum fertigen Bauwerk.
Erhältlich sind die beiden Bücher ab dem Sommer 2017.


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