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Kantonsstrassen für alle

Der Kanton Bern verfügt über rund 2‘100 km Kantonsstrassen, die im Laufe der Jahrzehnte gebaut wurden. So prägten unterschiedliche Verkehrsphilosophien die Gestaltung der einzelnen Abschnitte. Damit das gesamte Berner Netz den verschiedenen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird, wendet das kantonale Tiefbauamt heute bei Bau und Umgestaltung seiner Kantonsstrassen einheitliche Standards an.

Das TBA ist zuständig für den Bau, Betrieb und Unterhalt der Kantonsstrassen. So sieht es das Strassengesetz vom 4. Juni 2008 inkl. seiner Verordnung vor. Die Arbeitshilfe «Standards Kantonsstrassen» leitet dabei an, wie das TBA diese Aufgaben anpackt. Mit vordefinierten Prozessschritten und Referenzstandards sorgt sie dafür, dass Kantonsstrassenprojekte im gesamten Bernbiet praxisnah erarbeitet und partizipativ realisiert werden. Kurt Schürch, Kreisoberingenieur Seeland/Berner Jura, erklärt denn auch: «Diese Arbeitshilfe ist die Mutter aller Arbeitshilfen für uns und unsere Projektpartner.»

Das Strassengesetz als Startpunkt

Die «Standards Kantonsstrassen» wurden – basierend auf dem Strassengesetz von 2008 – in der Arbeitshilfe vom Januar 2011 festgehalten und seither erfolgreich angewendet. Im Mai 2017 hat das TBA eine revidierte Ausgabe publiziert. Schürch: «Anhand der Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren mit ihr gesammelt haben, konnten wir sie auf den neusten Stand bringen, gewisse Lücken füllen und sie sogar kürzen.» Neu aufgenommen wurde z. B. die vertiefte Prüfung der Verhältnismässigkeit: «Man kann nicht einfach eine Lösung erzwingen, sie muss stets angemessen und zumutbar sein.» Auch die im Zuge von ViaSicura geschaffenen Infrastruktur- und Sicherheitsinstrumente des Bundes, wie z. B. das Blackspot-Management (Analyse und Behandlung von Unfallschwerpunkten), sind neu enthalten.

Ob Oberland oder Seeland, innerorts oder ausserorts – die «Standards Kantonsstrassen» werden im ganzen Kanton Bern gleichermassen angewendet.

Bild vergrössern Ob Oberland oder Seeland, innerorts oder ausserorts – die «Standards Kantonsstrassen» werden im ganzen Kanton Bern gleichermassen angewendet.

Nachhaltig und ebenbürtig

Diese Methode trägt sowohl der Gestaltung der Kantonsstrasse selber als auch den Anliegen von Mensch, Siedlung und Umwelt Rechnung. Sie fördert dadurch die nachhaltige Entwicklung im von der Kantonsstrasse erschlossenen Raum. Um allen Anforderungen gerecht zu werden, nehmen die Projektleitenden jeweils sechs Beurteilungsfelder genau unter die Lupe:

  • Strategien, z. B. kantonaler Richtplan, Gesamtmobilitätsstrategie
  • Betriebsqualität, z. B. Verkehrsqualität für den MIV sowie Velo- und Fussverkehr
  • Verkehrslage, z. B. Strassen- sowie Trottoirzustand, Hindernisfreiheit
  • Verkehrssicherheit, z. B. Unfallgeschehen, Beleuchtung
  • Umwelt, z. B. Störfall, Strassenlärm und -abwasser
  • Strassenraum, z. B. Orts- resp. Landschaftsbild, Einfluss auf Gemeindeimage
Der Zustand von Kantonsstrassen wird in einer Tabelle beurteilt und als kreisrunde Beurteilungsgrafik («Rose») dargestellt.

Bild vergrössern Der Zustand von Kantonsstrassen wird in einer Tabelle beurteilt und als kreisrunde Beurteilungsgrafik («Rose») dargestellt.

Dank den «Standards Kantonsstrassen» können Spielräume genutzt und verhältnismässige Lösungen gefunden werden, die zwischen Normierung und Flexibilität liegen. Denn gemäss Strassengesetz sind an vergleichbaren Orten ebenbürtige Verkehrslösungen zu realisieren. Daher werden auf einer Ortsdurchfahrt im Berner Jura grundsätzlich dieselben Massnahmen realisiert wie auf einer Ortsdurchfahrt im Oberland, welche ähnliche Defizite aufweist. «So setzen wir nicht identische, aber gleichwertige Strassenvorhaben im gesamten Kanton um», resümiert Schürch.

In fünf Schritten zur Lösung

Der Standardprozess in Form eines Flussdiagramms.

Bild vergrössern Der Standardprozess in Form eines Flussdiagramms.

Dabei durchläuft jedes Berner Kantonsstrassenprojekt bis zur Umsetzung denselben Prozess – je nach Komplexität vollständig oder abgekürzt:

  • Vorlauf: Zuerst analysiert der Kanton den Zustand eines Strassenabschnitts. Zusammen mit der Standortgemeinde klärt er ab, wie stark der Istzustand vom definierten Referenzzustand abweicht und ob deshalb Handlungsbedarf besteht.
  • Planungsstudie: Anschliessend erarbeiten das TBA und die Gemeinde gemeinsam mögliche Lösungsansätze und einigen sich auf eine Grundsatzlösung.
  • Vorprojekt: Diese Grundsatzlösung wird in partizipativen Bearbeitungsschritten weiterbearbeitet. Das resultierende Vorprojekt wird dann in die öffentliche Mitwirkung gegeben, in deren Rahmen Bevölkerung und Fachstellen Stellung nehmen können. Das TBA wertet die Eingaben aus und veröffentlicht sie in einem Mitwirkungsbericht. Gestützt darauf wird das Vorhaben angepasst und verbessert.
  • Strassenplan: Anschliessend arbeitet das Tiefbauamt den auflagereifen Strassenplan aus. Er wird vor Ort profiliert und die Pläne öffentlich aufgelegt. Jetzt kann Einsprache erhoben werden. Einmal genehmigt und rechtskräftig ist der Strassenplan die Rechtsgrundlage für die Durchsetzung und Realisierung des Bauvorhabens.
  • Realisierung: Sind alle vorherigen Phasen durchlaufen, wird die Ausgabenbewilligung (Kredit) eingeholt. Danach werden die Bauarbeiten ausgeschrieben, mandatiert und ausgeführt. Letztlich geht der Strassenabschnitt ans zuständige Strasseninspektorat für Betrieb und Unterhalt über. Erfolgskontrollen zeigen auf, ob die gesteckten Wirkungsziele erreicht werden und welche Erfahrungen in künftige Vorhaben einfliessen müssen.
Koexistenz statt Dominanz: Auf Berner Kantonsstrassen – wie hier in Schönbühl –  finden alle Verkehrsteilnehmenden ihren Platz.

Bild vergrössern Koexistenz statt Dominanz: Auf Berner Kantonsstrassen – wie hier in Schönbühl – finden alle Verkehrsteilnehmenden ihren Platz.

Der partizipative Weg

Die Philosophie hinter dieser Vorgehensweise ist das «Berner Modell». Vor rund 20 Jahren setzte sich im Kanton Bern die Idee der Koexistenz gegenüber der Dominanz im Strassenverkehr durch: Bei der Gestaltung von Kantonsstrassen sind die Anliegen aller Verkehrsteilnehmenden und der Anwohnenden zu berücksichtigen. Deren Bedürfnisse stehen aber oft im Widerspruch zueinander. Aus diesem Grund wendet das TBA das partizipative Vorgehen an. So kann es das Verständnis der Betroffenen fördern, sie zu Beteiligten machen und die Qualität sowie Akzeptanz des Projekts erhöhen. Damit Betroffene mitwirken können, ist die Arbeitshilfe laut Schürch allgemein verständlich verfasst und eine unersetzliche Grundlage: «Unseren Partnern – ob Ingenieurbüros oder Mitglieder in Begleitgruppen – zeigt die Arbeitshilfe kurz und bündig auf, wie das TBA arbeitet.» Dank ihr kommen zwischen Kanton, Gemeinde und Bevölkerung gute Diskussionen zu Stande. TBA-intern dient sie zudem als Nachschlagewerk.

Sanierung Ortsdurchfahrt Lyss: An Baustellen-Cafés werden die Anwohnenden regelmässig informiert und ihre Anliegen unmittelbar aufgenommen (Bild: LyssPlus).

Bild vergrössern Sanierung Ortsdurchfahrt Lyss: An Baustellen-Cafés werden die Anwohnenden regelmässig informiert und ihre Anliegen unmittelbar aufgenommen (Bild: LyssPlus).


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