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St. Imier – 30er-Zone oder generell 50?

Das wechselnde Temporegime durch das Zentrum von St. Imier sorgte in den letzten Jahren für Gesprächsstoff. Auf der Kantonsstrasse wurden zwei Varianten getestet – Tempo 30 und generell 50. Im Mai dieses Jahres wurde die Bevölkerung von St. Imier dazu konsultiert.

Die neue Ortsdurchfahrt hat in St. Imier einiges ins Rollen gebracht. Der bis anhin stark verkehrsdominierte Strassenraum wurde in den Jahren 2011 bis 2014 komplett neugestaltet. Die verschiedenen Bedürfnisse von Autos, Velos, Fussgängern und öffentlichem Verkehr werden gleichermassen berücksichtigt und aufeinander abgestimmt.

Keine einfache Aufgabe, denn mitten durch das Zentrum verläuft eine wichtige Verbindungsstrasse durch den Berner Jura. Doch in St. Imier ist der Spagat gelungen – dank der engen Zusammenarbeit des Kantons mit der Stadt und der Bevölkerung. Die Fahrbahn wurde leicht verschmälert, die Trottoirs verbreitert, diese sind jetzt dank speziellen Randsteinen von Fassade zu Fassade beinahe niveaufrei. Die angrenzenden Plätze, die den Charakter der historisch gewachsenen Altstadt betonen, wurden umgestaltet. Im Oktober 2014 erhielt die fussgängerfreundliche Neugestaltung der Ortsdurchfahrt in St. Imier einen Anerkennungspreis im Rahmen des nationalen Fussverkehrspreises «Flâneur d’Or».

Der neugestaltete Place du Marché in St. Imier.

Bild vergrössern Der neugestaltete Place du Marché in St. Imier.

Tempo-30-Zone oder generell 50

Das Gestaltungskonzept wurde so gewählt, dass sowohl eine neue Tempo-30-Zone als auch generell 50 km/h zugelassen werden konnte. Weil sich die Gemeindebehörden zu Tempo 30 skeptisch äusserten, vereinbarten sie mit dem TBA im Jahr 2011, dass zuerst ein Versuchsbetrieb durchgeführt und schliesslich in einer Konsultativabstimmung das Temporegime beurteilt werden sollte.

So testete man 2015 ein Jahr lang generell 50 und beobachtete die Auswirkungen auf die Sicherheit, den Verkehrsfluss und die Lärmbelastung. Ein Jahr später wurde die Tempo-30-Zone markiert und – wie bei Tempo 30 gesetzlich vorgeschrieben – die Zebrastreifen entfernt, ausser auf dem Schulweg. Das, weil an wichtigen Orten auch in Tempo-30-Zonen Fussgängerstreifen markiert werden können.

Diesen Frühling wurden die Ergebnisse der beiden Testphasen präsentiert und die Bevölkerung im Mai an einer Konsultativabstimmung um ihre Meinung befragt.

Trotz weniger Stau – St. Imier will Tempo 50

Berichte und Videoanalysen zeigten deutlich, dass sich die Tempo-30-Zone günstig ausgewirkt hatte. Sie bremste den Verkehr und produzierte dennoch keine Staus. Der Verkehr lief flüssiger. Die Sicherheit für Fussgängerinnen und Fussgänger hatte zu- und der Verkehrslärm abgenommen. Doch St. Imier liess sich von einer Tempo-30-Zone nicht überzeugen und stimmte im Mai klar für 50 km/h im Zentrum. Es wird vermutet, dass das ins Feld geführte Argument, ein Ortszentrum ohne Zebrastreifen sei für den Fussverkehr nicht sicher genug, wesentlich zu diesem Resultat beigetragen hat. Dies, obwohl Wirkungsanalysen in Tempo-30-Zonen anderer Kantonsstrassen zeigen, dass sich Fussgängerinnen und Fussgänger beim Queren der Strasse ohne Fussgängerstreifen sicher fühlen.

Erste Beobachtungen

Seit diesem Sommer darf also das Zentrum von St. Imier wieder mit generell 50 km/h durchfahren werden. Die Auswirkungen dieses Entscheides liessen nicht lange auf sich warten. Der Verkehr staut sich zu den Stosszeiten wieder und die Behörden beobachten, dass sich Zufussgehende gefährden. Auch nachdem die vier Zebrastreifen im August wieder markiert wurden, haben die Fussgängerinnen und Fussgänger ihr Verhalten nicht umgestellt. Sie queren nach wie vor so, wie sie es in der Tempo-30-Zone getan haben – sie gehen auch da über die Strasse, wo keine Zebrastreifen vorhanden sind.


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