Suchbereich

Stichwörter von A bis Z

Navigation




Sicherheitsholzerei – eine Notwendigkeit für Strasse und Wald

Entlang von Kantonsstrassen ist das kantonale Tiefbauamt (TBA) verantwortlich für die Verkehrssicherheit und die vorsorgliche Waldpflege. Drohen Bäume oder Äste auf die Strasse zu fallen, müssen sie zum Schutz der Strassenbenützer weichen. Die Sicherheitsholzerei erfolgt dabei in Absprache mit dem zuständigen Revierförster und den Waldbesitzern und dient auch der Gesundheit des Waldes.

Wo Bäume fallen, steigen die Emotionen. Sicherheitsholzerei hinterlässt bisweilen sichtbare Spuren in der Natur, was beim Tiefbauamt immer wieder zu Reaktionen von Bürgerinnen und Bürgern führt. Aussenstehenden fehlt oft das Verständnis für die grossflächigen Holzerarbeiten. Doch das TBA entscheidet nicht allein, wie viele Bäume gefällt werden sollen: «Jede Situation wird vor Ort zusammen mit den Forstfachleuten sorgfältig analysiert. Dabei werden alle Interessen und Risiken gegeneinander abgewogen, Prioritäten gesetzt und die Massnahmen festgelegt», erklärt Beat Reber, Revierförster der Gemeinde Trub. Die Holzerei dient demnach nicht alleine der Sicherheit der Strasse. Der Forstdienst will die Waldstruktur insgesamt und dauerhaft gesund erhalten. Bäumen, die stehen bleiben, gibt man Platz zum Erstarken und Wachsen und dazu muss ein älterer Wald gelichtet werden. «Dass dabei oft grossflächig geholzt werden muss liegt daran, dass die Wälder heutzutage kaum mehr bewirtschaftet werden. Viele Waldbesitzer haben wenig bis keinen Bedarf an Holz aus ihren Wäldern und der Holzpreis ist gesunken», so Reber. Wenn aber ein Wald über Jahrzehnte nicht gepflegt wird, überaltert er. Die Folge sind hohe, dünne oder alte, instabile Bäume und kaum Jungwuchs. «Wenn wir die alten und instabilen Bäume wegnehmen, erhalten die jungen Bäume und Sträucher genügend Licht, können sich gut entwickeln und der Wald wird insgesamt stabiler. Die Gefahr durch umstürzende Bäume und herabfallende Äste wird dadurch geringer», erläutert Reber.

Wann immer möglich wird das geschlagene Holz weiterverarbeitet. Je nach Qualität des Holzes wird daraus Bauholz, Drechslerware, Möbelholz, Furnier oder auch Brennholz.

Keine leichte Aufgabe: Sicherheitsholzerei und Schutzwaldpflege an der Kantonsstrasse in Trubschachen.

Bild vergrössern Keine leichte Aufgabe: Sicherheitsholzerei und Schutzwaldpflege an der Kantonsstrasse in Trubschachen.

Rahmenbedingungen

Ausschlaggebend für die Zusammenarbeit von TBA und Forstdienst sind das Strassengesetz und die Strassenverordnung. Seit dem 1. Januar 2009 trägt im Kanton Bern das Tiefbauamt die Verantwortung für die Verkehrssicherheit sowie die vorsorgliche Waldpflege entlang von Kantonsstrassen. Damit wurde eine bis anhin vielerorts bereits gelebte Praxis gesetzlich verankert. «Die Waldpflege gehört nicht zu den Kernkompetenzen des TBA. Die Zusammenarbeit mit dem Forstdienst und seinen Fachleuten ist für uns deshalb sehr wichtig», sagt Strasseninspektor Daniel Feuz vom Strasseninspektorat Oberland West.

Die Kosten für die vorsorglichen Massnahmen werden vom TBA getragen und der Holzerlös steht dem Waldbesitzer zu, ausser es sei vorgängig etwas anderes vereinbart worden.

Sturmschäden und Eschensterben

Die Kantonsstrasse zwischen Wengi und Rapperswil im Seeland führt direkt durch den Wengiwald. Der Seeländer Strasseninspektor Fritz Witschi behält deshalb diesen Streckenabschnitt besonders im Auge.

Herabfallende Äste und schwache Bäume waren im Wengiwald ein Sicherheitsrisiko für die Verkehrsteilnehmenden. Mit der Sicherheitsholzerei im Januar dieses Jahres wurde die Gefahr gebannt.

Bild vergrössern Herabfallende Äste und schwache Bäume waren im Wengiwald ein Sicherheitsrisiko für die Verkehrsteilnehmenden. Mit der Sicherheitsholzerei im Januar dieses Jahres wurde die Gefahr gebannt.

«Im Januar dieses Jahres mussten wir hier aus Sicherheitsgründen eingreifen. Wir hatten Sturmschäden, massive Äste ragten zu weit auf die Strasse hinaus und zudem waren einige Eschen krank.» Die privaten Waldeigentümer planten ebenfalls einen Holzschlag und so zeichnete der Revierförster gemeinsam mit dem Strasseninspektor und den Eigentümern die zu fällenden Bäume an. Bei dieser Begehung erkannte man schnell, dass diese Holzerei eine Herausforderung sein würde.

«Das Gelände ist steil und wir brauchten ein erfahrenes Forstunternehmen. Zudem mussten wir die Kantonsstrasse während des Holzschlags sperren und den Verkehr umleiten. Wir wollten keine Risiken eingehen», erklärt Witschi. Die Gefahr ist nun gebannt, der Wald gepflegt. Der Eingriff scheint auf den ersten Blick massiv, bereits neun Monate später zeigt sich jedoch, dass die Natur den Raum sehr rasch zurückerobert. Für den Strassenunterhalt ergibt sich ein weiterer Vorteil: «Weil weniger Schatten auf die Strasse fällt, haben wir im Winter weniger Glatteis», sagt Fritz Witschi.

Nach nur neun Monaten haben bereits Sträucher und Kräuter die freigewordene Fläche erobert.

Bild vergrössern Nach nur neun Monaten haben bereits Sträucher und Kräuter die freigewordene Fläche erobert.

Herausforderung im Krauchthal

Die Kantonsstrasse Bolligen-Krauchthal ist eine wichtige Verbindungsachse und weist entsprechend viel Verkehr auf. Auch eine stark frequentierte Postautolinie verkehrt auf dieser Strecke. Zudem ist sie eine Hauptverbindungsstrasse für Blaulichtorganisationen. Dies führt dazu, dass hier die Sicherheit besonders hohe Priorität besitzt.

Der überalterte Wald auf dem steilen Böschungshang war ein grosses Risiko. Der gesamte Hang drohte bei einem Unwetter zu rutschen, da das Wurzelwerk der alten Bäume flach und der Boden dadurch zu wenig durchwurzelt ist, um stabil zu bleiben. Leider wurde entlang dieser Strecke auch ein Eschensterben festgestellt. Abgestorbene Eschen können ohne grosse Auswirkung von aussen umfallen – im Wald oder auf die Strasse. Durch die grossflächige Holzerei erhalten die Bäume, die stehen bleiben, Platz zum Erstarken und Wachsen und durch das Auslichten können sich auch Büsche und Stauden entwickeln, die den Hang durchwurzeln und dadurch stabiler machen. Die Gefahr, dass Bäume auf die Strasse fallen oder der Hang rutscht, konnte so verringert werden – und damit auch das Risiko von Unfällen, bei denen Menschen verletzt oder gar getötet werden.

Die Sicherheitsholzerei wurde Anfang 2017 in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern geplant und durchgeführt.

Der Wald an der Krauchthalstrasse war grossteils überaltert und der Hang drohte zu rutschen. Mit der Holzerei wurde der Pflegerückstand aufgeholt und somit auch die Sicherheit für Verkehrsteilnehmende erhöht.

Bild vergrössern Der Wald an der Krauchthalstrasse war grossteils überaltert und der Hang drohte zu rutschen. Mit der Holzerei wurde der Pflegerückstand aufgeholt und somit auch die Sicherheit für Verkehrsteilnehmende erhöht.

Zwei Wochen lang wurde in dem anspruchsvollen Gebiet Holz geschlagen und die Kantonsstrasse blieb, ausser an den Wochenenden, gesperrt. Für die Verkehrssicherheit war das Strasseninspektorat Mittelland Nord verantwortlich. Jürg Strasser, stellvertretender Strasseninspektor, erinnert sich: «Diese Sperrung musste gut durchdacht und kommuniziert werden. Es handelt sich um eine wichtige Verbindungsachse für den Individualverkehr, die Postautolinie und die Blaulichtorganisationen. Wir haben den Verkehr grossräumig umgeleitet und für den öffentlichen Verkehr eine Ersatzlinie eingerichtet.»

Büsche und Stauden haben sich wunschgemäss entwickelt und stabilisieren den Hang.

Bild vergrössern Büsche und Stauden haben sich wunschgemäss entwickelt und stabilisieren den Hang.

Sicherheitsholzerei im Naturschutzgebiet

Auch entlang von Autobahnen sind die Verkehrsteilnehmenden vor umfallenden Bäumen zu schützen. Besonders herausfordernd wird es, wenn sich der Waldbestand in einem Naturschutzgebiet oder einem Auenwald befindet, so wie an der A6 zwischen Wichtrach und Münsingen. «Die Sicherheitsholzerei in den geschützten oder schützenswerten Biotopen war schwierig», sagt Hansulrich Mägert, zuständig für Naturgefahren in der Abteilung Nationalstrassen Betrieb. «Es kommen hier verbreitet seltene Pflanzen- und Tierarten vor, welche nach Naturschutzrecht geschützt sind. Die Holzerei wurde daher auf die Wintermonate gelegt, um Pflanzen und wildlebende Tiere möglichst nicht zu stören.»

Hier kam der Sturm der Säge zuvor. Dieser zum Fällen angezeichnete Baum ist bereits umgestürzt.

Bild vergrössern Hier kam der Sturm der Säge zuvor. Dieser zum Fällen angezeichnete Baum ist bereits umgestürzt.

Es liegt auf der Hand, dass in einem so empfindlichen Gebiet mehr Fachstellen involviert sind als üblich. Hier waren es das Amt für Landwirtschaft und Natur, die Biberfachstelle und der Wasserverbund Region Bern.

Nach der Sicherheitsholzerei im Winter 2015/2016 hat sich entlang der A6 bereits wieder Jungwuchs angesiedelt.

Bild vergrössern Nach der Sicherheitsholzerei im Winter 2015/2016 hat sich entlang der A6 bereits wieder Jungwuchs angesiedelt.

Doch nicht nur Biber und Co. sollen so wenig als möglich gestört werden. Auch die Sicherheit der Strassenbenutzer muss während der Arbeiten gewährleistet sein. Pannenstreifen oder einzelne Fahrstreifen, die nahe am Arbeitsbereich liegen, müssen deshalb oft abgesperrt werden. Weil das wiederum die Verkehrskapazität einschränkt und bei hohem Verkehrsaufkommen auf der Autobahn rasch zu Staus führen kann, dürfen solche Sperrungen nur kurz sein.

Für manchen Aussenstehenden mag das Ausmass einer Sicherheitsholzerei auf den ersten Blick unverständlich sein. Doch schaut man genauer hin, wird schnell klar: Die Sicherheitsholzerei ist notwendig und wirkt doppelt. Die Strasse gewinnt an Sicherheit, der Wald an Gesundheit.


Weitere Informationen

 


Mein Warenkorb ([BASKETITEMCOUNT])

Informationen über diesen Webauftritt

http://www.bve.be.ch/bve/de/index/direktion/organisation/tba/TBA_update/TBA_Newsletter_Dezember_2017/sicherheitsholzerei_strasse.html