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ÖV - volkswirtschaftlich gesehen hochrentabel

Neue Seco-Studien bestätigen: Wer eine Region wirtschaftlich fördern will, erschliesst sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Es gibt keinen Zweifel: Gerade bei den Investitionen ins öffentliche Verkehrsnetz dürfen wir nicht nachlassen.

Vom Staatssekretariat für Wirtschaft, dem Seco, bekomme ich monatlich das Magazin für Wirtschaftspolitik „Die Volkswirtschaft“. In der Regel ist das schwere Kost; aber die letzte Ausgabe war für mich wie ein Krimi zu lesen. In 5 Studien untersuchte das Seco verschiedene Aspekte des Schwerpunktthemas „Verkehrsinfrastrukturen und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung“. Ein paar der wichtigsten Schlüsse möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

  • Zunächst stellen sämtliche Autoren und Autorinnen fest, wie wichtig Mobilität für eine gesunde Volkswirtschaft ist: „Erreichbarkeit ist zum zentralen Schlüssel der Standortattraktivität avanciert“, bilanziert beispielweise Dr. Urs Weber vom Generalsekretariat des UVEK. Es sei kein Zufall, dass der weltgrösste Hafen sich in Schanghai befinde und der weltgrösste Flughafen zurzeit in Dubai entstehe. „Ohne Infrastruktur keine Wertschöpfung.“

    Was für Dubai und Schanghai gilt, gilt natürlich auch im Kanton Bern. Darum lege ich so grossen Wert darauf, dass wir in unsere Verkehrsinfrastrukturen investieren und sie à jour halten. Denn hier zu sparen hiesse, den Wirtschaftsmotor ins Stottern zu bringen. Eine der Seco-Studien sagt es klar: „Eine bessere Erreichbarkeit fördert die regionale Wirtschaft.“
  • Die fünf Verkehrs-Studien des Seco sind in der Öffentlichkeit kaum besprochen worden. Schade, denn das Seco stellt nüchtern und wissenschaftlich klar, was Umweltorganisationen schon immer feststellten: „Der Strassenverkehr kommt nicht für alle Kosten auf, die er bei Dritten verursacht.

    Ich meine: Sicher müssen gerade in Randregionen Ausnahmen vom Prinzip „öV vor Strasse“ gemacht werden. Aber grundsätzlich sind Investitionen in den öffentlichen Verkehr unter dem Kostenaspekt sinnvoller als in die stauanfälligen Strassen mit ihrem Landverschleiss, der hohen Umweltbelastung und den zu vielen Unfällen.
  • Zu diesem Schluss kommt man auch, wenn man die Wirtschaftsentwicklung untersucht. Es zeige sich, bilanziert eine der Studien knapp, „dass in der Schweiz der öffentliche Verkehr für die regionale Wirtschaftsentwicklung entscheidender ist als der motorisierte Individualverkehr“.

Dies sind ein paar der Aussagen, welche „Die Volkswirtschaft“ zur Bedeutung von verschiedenen Verkehrsinfrastrukturen macht.

Die 5 Studien kommen zur rechten Zeit, denn es stehen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten in der Schweiz nicht nur Milliarden-Investitionen in die Verkehrsinfrastrukturen an. Wir müssen uns auch Gedanken machen über die Finanzierung: Sollen allenfalls Pendler und Geschäftsleute in den Spitzenzeiten mehr bezahlen müssen? Oder Rentnerinnen und Rentner belohnt werden, wenn sie die Stosszeiten meiden? Welche öV-Strecken in welchen Regionen der Schweiz müssen ausgebaut werden, welche können noch ein bisschen warten? Wie viel der externen Kosten müssen die Autofahrer bezahlen? Soll die Schweiz noch mehr zur Pendlernation werden? Wie organisieren wir den Verkehr so, dass er auch für die nächste Generation effizient und ökologisch funktioniert und auch unsere Kinder und Kindeskinder noch einen Sitzplatz finden?

Gefragt sind dabei auch unkonventionelle Ideen, wie beispielweise ein früherer oder - besser - späterer Schulbeginn für Berufsschüler und Gymnasiastinnen, so dass sie Tram, Bus und Zug nicht in den Stosszeiten verstopfen. Aus meinem einstigen Vorschlag ist in der Zwischenzeit ein Postulat geworden, das SP-Grossrätin Flavia Wasserfallen in der laufenden Session soeben mit 102 Ja zu 18 Nein im Grossrat durchgebracht hat. Gibt es Schulklassen, welche die Idee testen möchten? Dann melden Sie sich bei mir.


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