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Eine Jahrhundert-Wanderung entlang der Aare

In den nächsten 25 Jahren entstehen zwischen Bern und Thun überall entlang der Aare Inseln, Seitenarme und flache Kiesufer. Sie gleichen Hochwasser aus, geben der Natur mehr Raum – und uns Menschen neue Spazierwege, Brätel- und Badeplätze. Ein Jahrhundertprojekt.

Darf ich Sie zu einer virtuellen Wanderung einladen? Ich möchte mit Ihnen entlang der Aare von Bern nach Thun wandern. Das dauert in der Realität etwa 7 Stunden. Aber wenn Sie einen genaueren Blick auf die 25 Massnahmen werfen wollen, die der Kanton und die 18 Anrainergemeinden zusammen mit Fachleuten und interessierten Organisationen planen, sind Sie den ganzen Tag unterwegs.

Machen wir zuerst eine Wanderung am Bildschirm: Auf dieser Übersichtskarte können Sie die jeweils markierte Gemeinde anklicken und gelangen so zu den dort geplanten Massnahmen. Doch zuerst: Warum braucht es solche Massnahmen, warum wollen wir am Aarelauf überhaupt etwas ändern?

Sie erinnern sich an die Hochwasser von Mai 1999 und von August 2005.

Hochwasser im Aaretal

Hochwasser im Aaretal

Viele der damaligen Schäden an Kulturland, Strassen, Geleisen und Gebäuden zwischen Thun und Bern entstanden, weil die Aare im 19. Jahrhundert in ein zu enges Bett gezwängt wurde. Die abrupten Überflutungen verursachten im Kanton Bern allein im Jahr 2005 Schäden von über 1 Milliarde Franken. Wir wollen und können nicht zurück zur Aare-Auenlandschaft des 18. Jahrhunderts. Aber dort, wo das möglich ist, braucht es Ufer-Verbreiterungen, damit Hochwasser ausgeglichen werden können. Natürlich braucht es weiterhin auch Verbauungen – aber am richtigen Ort.

Mit den 25 geplanten Massnahmen schützen wir das Aaretal vor Hochwasser. Wir sichern aber zusätzlich auch die Trinkwasserfassungen. Sie sind heute gefährdet, weil sich die eingezwängte Aare immer tiefer eingräbt und damit auch der Grundwasserspiegel sinkt. Die kanalisierte Aare unterspült übrigens auch Dämme und Sporen. Statt diese am selben ungeeigneten Ort für viel Geld zu erneuern, werden wir Verbauungen dort errichten, wo es Gebäude, Geleise oder bspw. den Flugplatz Belp ganz gezielt zu schützen gilt.

Mit den geplanten 25 Massnahmen bekommt auch die Natur wieder mehr Raum, so dass seltene Arten zurück kehren. Beispielweise der Eisvogel. Wann haben Sie zuletzt so einen gesehen?

Eisvogel

Eisvogel

Die geplanten Massnahmen haben einen wunderbaren Nebeneffekt für die Menschen. Es werden nämlich abwechslungsreichere Wege entstehen, Inseln, Stege, Pfade, flache Uferzonen und so weiter. So dass sich nicht nur die Pflanzen und Tiere, sondern auch die Menschen wohl fühlen.

Auch in andern Kantonen hat man erkannt, dass der Hochwasserschutz nur gemeinde-grenzüberschreitend umgesetzt werden kann. Ähnliche Projekte werden zurzeit entlang der Rhone und entlang der Thur geplant.  Die 25 Berner Massnahmen waren in einer breiten Mitwirkung, so dass alle Beteiligten ihre Sicht einbringen und Anpassungen gemacht werden können. Noch sind solche Gespräche und Arbeiten im Gang. Voraussichtlich Anfang 2012 werde ich das unter allen Beteiligten ausdiskutierte und möglichst vollständig bereinigte Gesamtprojekt zum Entscheid bekommen.

Jedes einzelne der 25 Projekte ist auf der Aarewasser-Übersichtskarte detailliert beschrieben, zum Beispiel die geplante Verbreiterung Elfenau und Märchligenau. Oder die Massnahmen in Uttigen. Am Bildschirm können Sie sich durch jede der 18 Anrainergemeinden hindurch klicken und alle Unterlagen studieren. Sie können aber auch gerade direkt vor Ort gehen. Machen Sie sich ein Bild: An drei Stellen sieht man nämlich schon sehr gut, wie es an der Aare zwischen Thun und Bern etwa im Jahr 2035 aussehen wird.

Wenn Sie weiter Richtung Thun wandern möchten, helfen die Infotafeln und der Infoprospekt.

Kein Ort für Abfall!

Wie bei allen guten Projekten besteht die Gefahr, dass auch das Jahrhundertprojekt „aarewasser“ Opfer seines eigenen Erfolges werden könnte. Vor allem in der Hunzigenau lassen Leute ihren Abfall nach dem Picknick nämlich einfach liegen: Büchsen, Flaschen, Plastik, Essreste, Einweggrills und so weiter. Das sieht hässlich aus, es stinkt, es stört die Wanderer und Spaziergänger, zudem verletzen sich immer wieder Tiere.

Ganze 150 Lastwagen füllt der Abfall, den die Wegmeister jedes Jahr von den Aareufern wegräumen müssen. Interessant: Vor allem wenn Parkplätze in der Nähe sind, ist der Umgang mit der Natur am abfälligsten und häuft sich der Müll an der Aare.

Helfen Sie mit, zu den neuen Idyllen entlang der Aare Sorge zu tragen - dafür danke ich Ihnen. Geniessen Sie die Aarewanderung und freuen Sie sich mit mir auf den neuen, breiteren, abwechslungsreicheren und lebensfreundlichere Aarelauf, der in den kommenden 25 Jahren entstehen wird.


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