A propos
Für einmal kriminelle statt erneuerbare Energie
Ich lese zurzeit mit viel Spass das Buch „Solar“, eine höchst amüsante Satire des britischen Schriftstellers Ian McEwan. Es geht um Machtspiele, Intrigen und Betrügereien des Wissenschaftsbetriebs im Zusammenhang mit dem Klimawandel und den erneuerbaren Energien. Die Hauptfigur, Michael Beard, das egomanische Ekel eines Nobelpreisträgers der Physik, wächst mit dabei eher wider Willen ans Herz, obwohl er für Themen wie Klimawandel nur ein müdes Lächeln aufbringt und mit dem Bau sinnloser Windturbinen Steuergelder verschleudert.
Solar ist ein spannender Klima-Krimi, in dem es nicht nur um erneuerbare Energie, sondern auch um kriminelle Energien geht. Faszinierend sind übrigens auch die sehr detailgenauen Beschreibungen der verschiedenen Techniken und Technologien zur Wind- und Solarenergie. Da lerne auch ich als Fachfrau sehr viel dazu – und amüsiere mich gleichzeitig gut.
Eine witzige Passage des Buchs: Beard nimmt eine Einladung in die Antarktis an, um das Abschmelzen des vermeintlich ewigen Eises selbst in Augenschein zu nehmen. Auf dem Schiff beobachtet er, dass die Gemeinschaft, die die Welt retten will, nicht einmal in der Lage ist, die Stiefelkammer in Ordnung zu halten. Hier herrscht das Recht des Stärkeren - jeder nimmt, was an Ausrüstung gerade da ist, ohne seine eigenen Sachen in Ordnung zu halten. Ein schönes Bild, das zeigt, wie schwierig es für unsere Gesellschaft ist, die grosse Herausforderung des Klimawandels zu meistern. Wie soll uns das gelingen, wenn uns Ordnung nicht einmal in einer kleinen und klimasensiblen Gruppe Intellektueller gelingt?
Auch mal „Sorry“ sagen können
Ich weiss, man sollte nicht nachtragend sein – und frau sowieso schon grad gar nicht. Aber während der laufenden AKW-Debatte kommt mir einfach immer wieder der offene Brief von Grossratspräsident Gerhard Fischer (svp) in den Sinn, in dem er damals vor der Abstimmung zu Mühleberg den Berner Regierungsrat bös angegriffen hat: Wir hätten ohne Wenn und Aber die Haltung des Parlaments zu vertreten und einzig diejenigen Argumente zu äussern, die für Mühleberg II sprächen. Die AKW-kritische Haltung der Regierung, so Fischer, sei zwar nicht verboten, aber: „Nicht alles, was nicht ausdrücklich untersagt ist, entspricht gutem politischem Stil“.
Ich weiss, man sollte nicht nachtragend sein. Aber für mich ist guter politischer Stil, sich an den Fakten zu orientieren und auch mal „Sorry“ sagen zu können. Es ist nämlich auch nicht ausdrücklich untersagt, gescheiter zu werden.
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